Unsterblich
Notarzteinsatz in der Rue Barbet-de-Jouy 11, einen Katzensprung vom Hôtel des Invalides entfernt. Paris liegt noch im Schlaf, als Rettungskräfte am Pfingstsamstag, 29. Mai 1982, vorfahren. Gerufen hat sie Laurent Pétin, der Lebensgefährte von Romy Schneider (1938-1982). Er hat die Schauspielerin tot aufgefunden: zusammengebrochen über einem Blatt Papier. Irgendwo steht eine leere Rotweinflasche, daneben ein übervoller Aschenbecher.
Die Leinwand-Ikone, die sich von ihrem «Sissi»-Image emanzipierte und als das schönste Gesicht der französischen Melodram-Kinematografie gefeiert wurde – sie hat einen Tabletten-Alkohol-Cocktail intus. Herzstillstand, Exitus. Ein Freund, der Regisseur Jean-Claude Brialy, erinnert sich später an den Anblick der Toten: «Und da sah ich ein junges Mädchen von 20 Jahren, schön, wunderschön, schlafend, lächelnd. Sie trug ein Kleid von Yves Saint-Laurent … Man hatte Lust, sie in die Arme zu nehmen, sie tanzen zu lassen».
Eine Frau schaut in den Spiegel. Sie ist nicht allein. Eine Schattengestalt schlängelt sich heran und ergreift von ihr Besitz. Halb tröstend, halb drohend. Bis sie die Oberhand gewinnt und die Frau in einen Strudel der Erinnerung zieht. In den ...
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Tanz Oktober 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann
Die nackten Körper springen und tanzen, drehen sich in Kreisen, fallen, baumeln von der Decke und stürzen in Abgründe. All dies, um dem Tod zu trotzen? Nach Hölle und Fegefeuer kommt bei Dantes «Göttlicher Komödie» das Paradies: Doch mehr als die Kapitelüberschriften übernimmt Florentina Holzinger von der literarischen Vorlage nicht. Auf die geschundenen...
Sonnenlicht bricht sich in dem pfeilergestützten, kellerartigen Raum, der von futuristisch anmutender Musik erfüllt ist – klassische Zitate, untermalt von pulsierendem Piepen, surrealem Sirren und drängenden Dissonanzen. Sechzehn Tänzerinnen und Tänzer stehen teils versteckt hinter den Pfeilern, teils laufen sie in Paaren ein, dehnen breitbeinig ihre Arme, kreisen...
Mit Menschen kann er. Was vermutlich damit zu tun hat, dass Adil Laraki mit sechs Geschwistern aufwuchs mitten in der quirligen Hauptstadt Marokkos. In Rabat war er umgeben von Internationalität. Nahezu alle Kulturinstitute der Welt befanden sich im Umkreis seines Zuhauses. Das Theater war um die Ecke. Als kleiner Junge schlüpfte er oft unbemerkt mit fremden...
