Unsterblich
Wer will sich schon zu Lebzeiten vom Tod anrufen lassen und beginnen, aus seiner Perspektive zu denken und zu handeln? Die Vorstellung, dass sich das eigene Studio in eine Stiftung oder ein Archiv verwandelt, und das gesamte Schaffen mit all seinen Meisterwerken und Gelegenheitsarbeiten, mit all seinen Skizzen und E-Mails einmal als Nachlass verhandelt wird und in einem Depot landen soll, ist wohl für erfolgreiche Künstler*innen kein beflügelnder Gedanke. Ein Spezialfall ist das Erbe von Choreograf*innen. Es unterscheidet sich grundlegend von jeder materiellen Nachexistenz.
Es muss buchstäblich verkörpert und bewegt werden, sonst verschwindet es irgendwann aus unserem aktiven Bildergedächtnis. Um die Jahrtausendwende hat die UNESCO das Thema «Lebendiges Erbe» als eine der wichtigen, kulturellen Fragen unserer Zeit erkannt. Neben der analogen Fotografie, der Arbeit von Planetarien, Yoga in Indien und Geigenbau in Cremona hat es 2014 auch der Moderne Tanz in Deutschland auf die Liste für ephemeres Kulturerbe geschafft. Dieser offizielle Schutzstatus ist ein großer Schritt nach vorne, weil er das Bewusstsein schärft für notwendige Räume, Regeln und Rechte. Und trotzdem: Ein Blick in ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Perspektiven, Seite 52
von Marietta Piekenbrock
Klaus-Michael Kühne, mit einem Vermögen von 38,9 Milliarden Dollar der aktuell zweitreichste Deutsche, ist stolzer Hanseat. Und Opernfan. Weil Kühne das (auch vom Hamburg Ballett genutzte) Opernhaus im Hamburger Zentrum nicht gefällt, will er der Stadt ein neues Gebäude schenken. Schon 2022 ging der Unternehmer mit diesen Plänen an die Öffentlichkeit, die Politik...
tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH
Redaktion Sofie Goblirsch, Johanna Rau, Falk Schreiber, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung) Tel. +49-30-254495-20, Fax -12
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de
Bildredaktion Marina Dafova, Sofie Goblirsch
Art direction Marina Dafova
Anz...
Festival mit Diskurs
ZEITGENÖSSISCHER ZIRKUS
Der Tanz macht es sich manchmal aber auch ziemlich einfach. «Wenn man über meine Themen reden könnte, dann müsste man ja nicht tanzen», so oder so ähnlich wird meistens argumentiert, weswegen man eigentlich keine Lust hat, das eigene Tun zu erklären. Das dezentrale Festival «Zeit für Zirkus», das vom 14. bis 16. November...
