Unsterblich

Auf der Amsterdamer Konferenz «Positioning Ballet» diskutiert der Nachwuchs Anfang November über künftige Direktionskulturen. Hier und in der Januar-Ausgabe befassen wir uns mit der Frage: Was ist der Schlüssel zu guter Führung? Und wie lässt sich sinnvoll mit dem Erbe großer Choreograf*innen umgehen? Pina Bausch, Merce Cunningham, Tino Sehgal, Noa Eshkol und John Neumeier – vom Legacy Plan bis zum Vintageprogramm: das Erbe großer Choreografen und Choreografinnen

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Wer will sich schon zu Lebzeiten vom Tod anrufen lassen und beginnen, aus seiner Perspektive zu denken und zu handeln? Die Vorstellung, dass sich das eigene Studio in eine Stiftung oder ein Archiv verwandelt, und das gesamte Schaffen mit all seinen Meisterwerken und Gelegenheitsarbeiten, mit all seinen Skizzen und E-Mails einmal als Nachlass verhandelt wird und in einem Depot landen soll, ist wohl für erfolgreiche Künstler*innen kein beflügelnder Gedanke. Ein Spezialfall ist das Erbe von Choreograf*innen. Es unterscheidet sich grundlegend von jeder materiellen Nachexistenz.

Es muss buchstäblich verkörpert und bewegt werden, sonst verschwindet es irgendwann aus unserem aktiven Bildergedächtnis. Um die Jahrtausendwende hat die UNESCO das Thema «Lebendiges Erbe» als eine der wichtigen, kulturellen Fragen unserer Zeit erkannt. Neben der analogen Fotografie, der Arbeit von Planetarien, Yoga in Indien und Geigenbau in Cremona hat es 2014 auch der Moderne Tanz in Deutschland auf die Liste für ephemeres Kulturerbe geschafft. Dieser offizielle Schutzstatus ist ein großer Schritt nach vorne, weil er das Bewusstsein schärft für notwendige Räume, Regeln und Rechte. Und trotzdem: Ein Blick in ...

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Tanz November 2025
Rubrik: Perspektiven, Seite 52
von Marietta Piekenbrock

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