Unsterblich
Wer will sich schon zu Lebzeiten vom Tod anrufen lassen und beginnen, aus seiner Perspektive zu denken und zu handeln? Die Vorstellung, dass sich das eigene Studio in eine Stiftung oder ein Archiv verwandelt, und das gesamte Schaffen mit all seinen Meisterwerken und Gelegenheitsarbeiten, mit all seinen Skizzen und E-Mails einmal als Nachlass verhandelt wird und in einem Depot landen soll, ist wohl für erfolgreiche Künstler*innen kein beflügelnder Gedanke. Ein Spezialfall ist das Erbe von Choreograf*innen. Es unterscheidet sich grundlegend von jeder materiellen Nachexistenz.
Es muss buchstäblich verkörpert und bewegt werden, sonst verschwindet es irgendwann aus unserem aktiven Bildergedächtnis. Um die Jahrtausendwende hat die UNESCO das Thema «Lebendiges Erbe» als eine der wichtigen, kulturellen Fragen unserer Zeit erkannt. Neben der analogen Fotografie, der Arbeit von Planetarien, Yoga in Indien und Geigenbau in Cremona hat es 2014 auch der Moderne Tanz in Deutschland auf die Liste für ephemeres Kulturerbe geschafft. Dieser offizielle Schutzstatus ist ein großer Schritt nach vorne, weil er das Bewusstsein schärft für notwendige Räume, Regeln und Rechte. Und trotzdem: Ein Blick in ...
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Tanz November 2025
Rubrik: Perspektiven, Seite 52
von Marietta Piekenbrock
Festival mit Diskurs
ZEITGENÖSSISCHER ZIRKUS
Der Tanz macht es sich manchmal aber auch ziemlich einfach. «Wenn man über meine Themen reden könnte, dann müsste man ja nicht tanzen», so oder so ähnlich wird meistens argumentiert, weswegen man eigentlich keine Lust hat, das eigene Tun zu erklären. Das dezentrale Festival «Zeit für Zirkus», das vom 14. bis 16. November...
Motivation
Good Governance verlangt ganz einfach die grundlegenden Eigenschaften menschlichen Umgangs. Und Souveränität, die wiederum auf Wissen, Erfahrung und Gespür für Menschen basiert. Wenn möglich, gilt es, eine professionelle Einführung in zeitgemäße Personalführung und Management zu nutzen, bevor man sich übernimmt; eine sympathetische Doppelspitze, wie ich...
Neunzig Minuten kurz sind die tanztheatralen Reflexionen über den Menschen, den Dichter Shakespeare am Linzer Musiktheater. Wer gedacht hatte, dass sich hinter dem Titel «Shakespeare’s Dream» eine Folge von bunt inszenierten Zitaten aus einigen der 38 Werke des englischen Welt-Beschauers und Psychologen offenbart, hatte sich geirrt.
Weder Mendelssohn-Bartholdy noch...
