unisono
«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst auch träumt. Das wär’s doch: im besten Fall. Der schlimmste dagegen ist demagogischer Missbrauch: die Machtdemonstration.
Er kommt im Gleichschritt auf der politischen Bühne daher, wenn Zigtausende im Einklang den Arm heben, die Hand an die Schläfe legen und marschieren. Was ist Identität, wie viel zählt ein Individuum?
Es gibt auch ein statistisches Unisono, in dem nur die Masse zählt, der Einzelne nichts. Es gibt ein romantisches Unisono im Corps de ballet, als ein Reigen der Tutus. Aber was empfinden 50 Ballerinen, wenn sie gemeinsam einknicken? Sind sie glücklicher als 1500 Häftlinge einer philippinischen Strafanstalt, die zu Michael Jacksons «Thriller» eine Massenchoreografie mit dem «Peace»-Symbol beenden und sich dabei als Personen erleben und durch die Gemeinschaft leben? Mit Sicherheit nehmen sie mehr Emotionen mit ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Thomas Hahn
«Ein bewegtes Leben in Tanz, Film und Kabarett» nennt sich die Ausstellung, die Franziska Buhre und Elke Vera Kotowski im Auftrag des Moses-Mendelssohn-Zentrums kuratiert haben: keine Schau der Superlative, sondern eher ein Kabinettstück, das auf kleinem Raum alle Aspekte einer komplexen Künstlerpersönlichkeit aufzeigt. Mittendrin und überlebensgroß: ein Porträt...
...wird entgegen erster Dementi nun doch 2012 Ballettdirektorin am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Die US-Amerikanerin tritt damit die Nachfolge von Bernd Schindowski an, der das Ballett 33 Jahre lang leitete. Breiner lernte unter anderem an der Heinz-Bosl-Stiftung in München. Ihr erstes Engagement führte sie ans Bayerische Staatsballett, 1996 wurde sie...
...sind Memmen, zumindest im Vergleich zu Tänzern. Das sagt ein Arzt, Andreas Weiler von der Berliner Charité (Seite 68). Fußballer lassen sich viel öfter krankschreiben als Tänzer. Weil es ihre phänomenalen Gagen nicht berührt. Tänzer, in Selbstausbeutung geübt, beißen die Zähne zusammen und halten sich besser in Schuss als Sportler: Der Fettanteil von...
