unisono
«Wir sind mehrere, doch wir fühlen uns wie ein Körper.» Das klingt nach Nirwana. Einfach romantisch. Fast wie ein Grundbedürfnis des Menschen. Einer Gruppe angehören, in der Gemeinschaft aufgehen und sein Glück dann allen zeigen, im Takt, im Gestus, in Harmonie. Stellvertretend für den Zuschauer auf einer Bühne durchleben, wovon das Publikum vielleicht unbewusst auch träumt. Das wär’s doch: im besten Fall. Der schlimmste dagegen ist demagogischer Missbrauch: die Machtdemonstration.
Er kommt im Gleichschritt auf der politischen Bühne daher, wenn Zigtausende im Einklang den Arm heben, die Hand an die Schläfe legen und marschieren. Was ist Identität, wie viel zählt ein Individuum?
Es gibt auch ein statistisches Unisono, in dem nur die Masse zählt, der Einzelne nichts. Es gibt ein romantisches Unisono im Corps de ballet, als ein Reigen der Tutus. Aber was empfinden 50 Ballerinen, wenn sie gemeinsam einknicken? Sind sie glücklicher als 1500 Häftlinge einer philippinischen Strafanstalt, die zu Michael Jacksons «Thriller» eine Massenchoreografie mit dem «Peace»-Symbol beenden und sich dabei als Personen erleben und durch die Gemeinschaft leben? Mit Sicherheit nehmen sie mehr Emotionen mit ...
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Tanz Juni 2011
Rubrik: ideen, Seite 58
von Thomas Hahn
...haben einen gemeinsamen Premierentermin. Nein, sie kollaborieren nicht für ein Stück, wie das Cherkaoui gern mit Kollegen tut. Das Niederländische Nationalballett hat die beiden für ein Doppelprogramm zusammengespannt – und natürlich wird das voller Gegensätze sein. Cherkaoui mit seiner zeitgenössischen Bewegungssprache präsentiert eine Arbeit, die unter dem...
Mögen Pferde eigentlich Musik von Philip Glass? «Passt bestens zusammen», lacht Carolyn Carlson und hat ihre Kompanie vergrößert für das gemeinsam kreierte Stück mit der von Bartabas geleiteten Reiterakademie im Schloss Versailles. Bartabas ist «stolz darauf, dass wir heute so weit sind, mit den größten Choreografen arbeiten zu können». Es gibt sozusagen zwei...
Die Mutter ist immer dabei, folgt der Tänzerin wie ein Schatten, wohin sie auch geht, also meist in den Ballettsaal. Zwischendurch steht «La petite danseuse de Degas», eigentlich Marie van Goethem, auch jenem Künstler Modell, der sie nicht eben uneigennützig auf seinen Sockel stellt. So, wie ihn Benjamin Pech verkörpert, könnte man ihn für jemanden halten, der...
