Übersetzte Räume

Gerald Siegmund über die (mit-)teilenden Raumkonzeptionen von William Forsythe. Der Unterschied zwischen einem Tanz- und Theaterraum besteht vor allem darin: beim Tanz müssen sich die Zuschauer umdrehen

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Die Zuschauer müssen sich umdrehen.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil von William Forsythes jüngster Choreografie «Clouds After Cranach», das sowohl als eigenständiges Stück als auch als Teil von «Three Atmospheric Studies» aufgeführt wird, müssen wir unsere körperliche Position verändern und damit eine andere Perspektive auf das Geschehen auf der Bühne einnehmen. Wir werden dazu angehalten, die Seiten zu wechseln, um das in Augenschein zu nehmen, was im ersten Teil ausgeschlossen war.

Die Drehung trennt und verbindet die beiden Teile gleichzeitig, indem sie den ersten Teil rückwirkend mit Bedeutung auflädt, ohne dass dieser sich eins zu eins in den zweiten auflösen ließe.

Vielmehr verhalten sich die beiden Teile zueinander wie Übersetzungen – von Blicken, von Tanz in Sprache, von der reinen, scheinbar abstrakten Bewegung des ersten auschoreografierten Teils, der sich selbst genügte, in Worte und damit in eine Geschichte, die Jone San Martin im rosafarbenen Kleid auf einem Stuhl sitzend Satz für Satz ausbuchstabiert. Ihr Sohn sei verhaftet worden, weil er ihrer Tochter und ihren beiden Freundinnen helfen wollte, die bei einem Anschlag auf ein Haus in Lebensgefahr geraten ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 114
von Gerald Siegmund

Vergriffen
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