Die Raumbrille
Liebe Freunde!
Ich möchte hier in aller Kürze Gesichtspunkte zum «Raum im Theater» zusammentragen und vorschriftswidrig übereinander legen. Das Verständnis vom Raum, wie wir ihn kennen, besteht im Verhältnis unserer Wohnung mit ihren durchaus bekannten Ausmaßen zu den unbekannten. Das eine ist Teil des anderen, wie wir wissen. Wir ertragen das Unbekannte durch das Bekannte. Das Ungewisse durch das Gewisse. Nun, im Theater ist es umgekehrt.
Die Raumbrille
Ich habe an anderer Stelle über die Gefangennahme des Lichts gesprochen, welches sich seinem Wesen nach ausdehnen möchte. Wenn man den Theaterraum als ein labiles und ausdehnungsfähiges Universum betrachten würde, so hat der Raumkünstler (Bühnenbildner) die Aufgabe, Ankunftsorte für unsere Augen zu schaffen, die diesen Raum für kurze Zeit stabilisieren. Der Raum selbst wird also zu einer Art Brille, welche in der Lage ist, eine Schärfeneinstellung von Distanz, Farbe, Helligkeit und Material zu liefern. In der traditionellen Form befindet sich der Theaterraum immer hinter dem Vorhang und das Auge des Betrachters davor. In dem Moment, da der Vorhang aufgeht, hat der Zuschauer erst mal die Brille auf.
In dieser traditionellen Form, wird ...
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