Turning scientific

Wenn es nach Martin Puttke geht, gibt es eine Revolution im Ballettsaal. Die Neurowissenschaft wird zeigen, wie Tänzer ihre Kunst erlernen und praktizieren

Tanz - Logo

Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen.

Meiner Ansicht nach liegt das vor allem daran, wie Tänzer geschult und trainiert werden: Das klassische Ballett stülpt sein ästhetisches Modell über die Tänzer, ohne ihre Persönlichkeiten und körperlichen Voraussetzungen ausreichend zu berücksichtigen. Da wird sozusagen eine ästhetische DIN-Norm, eine Schablone von außen aufgedrückt. Und dagegen setze ich meine idiokinetische Methode und das, was ich «native motion system», kurz «Namos» nenne. Das habe ich zuletzt hier beim Staatsballett unterrichtet.

Was ist der Ausgangspunkt Ihrer Methodik? Es gab zwei auslösende Momente. Der eine liegt Jahrzehnte zurück, damals kam ich in Moskau nach einer Probe mit Maya Plisetskaya ins Gespräch, und wir waren uns schnell einig, dass man sehen kann, ob ein Tänzer intelligent tanzt oder nicht. Also – der denkende Tänzer, das hat mich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2009
Rubrik: Praxis, Seite 60
von Dorion Weickmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Maillot

In Monte Carlo geht es in den Berg hinein, ins Grimaldi-Forum tief unter den Mittelmeeresspiegel. Hier leitet Jean-Christophe Maillot seit 16 Jahren die Ballets de Monte Carlo. Seine Ballettversion von Gounods «Faust» 2007 gewann den Prix Benois de la Danse, im März 2007 entstand daraus sein Operndebüt am Staatstheater Wiesbaden. Gounod einmal vertanzt, einmal...

Highlights

Auf den Gletscher

geht’s alle Jahre wieder am 24. April. Dann bringt Hubert Lepka mit seiner Kompanie Lawine Torrèn elefantöse Pistenbullys und Hubschrauber ins österreichische Sölden, damit Hannibal es noch einmal wagen darf, die Ötztaler Alpen am Rettenbachgletscher mit 60 000 Mann zu überqueren. Das Spektakel für über tausend Zuschauer in der Kälte ist...

Gestörte Schönheit

Leipzig. Das Kellertheater in den Katakomben des riesigen Opernhauses. Zu DDR-Zeiten war es der Partykeller der Künstler, sagt Friedrich U. Minkus, Impresario der Choreografin Heike Hennig. Zusammen mit dem Dramaturgen Jochen Kiefer gehören die drei derzeit zu den erfolgreichsten Tanzunternehmern in Sachsen. Hennig wurde überregional bekannt, als sie ehemaligen...