Turning scientific
Martin Puttke, wir sitzen hier in der Intendanz des Staatsballetts Berlin, wo Sie kürzlich einen Workshop gegeben haben. Was haben Sie den Tänzern beigebracht? Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie wir die Klassiker lebendig bekommen. Wir sehen ja, dass Tänzer Schwierigkeiten haben, uns den Siegfried oder die Giselle als heutige Figuren glaubhaft zu machen.
Meiner Ansicht nach liegt das vor allem daran, wie Tänzer geschult und trainiert werden: Das klassische Ballett stülpt sein ästhetisches Modell über die Tänzer, ohne ihre Persönlichkeiten und körperlichen Voraussetzungen ausreichend zu berücksichtigen. Da wird sozusagen eine ästhetische DIN-Norm, eine Schablone von außen aufgedrückt. Und dagegen setze ich meine idiokinetische Methode und das, was ich «native motion system», kurz «Namos» nenne. Das habe ich zuletzt hier beim Staatsballett unterrichtet.
Was ist der Ausgangspunkt Ihrer Methodik? Es gab zwei auslösende Momente. Der eine liegt Jahrzehnte zurück, damals kam ich in Moskau nach einer Probe mit Maya Plisetskaya ins Gespräch, und wir waren uns schnell einig, dass man sehen kann, ob ein Tänzer intelligent tanzt oder nicht. Also – der denkende Tänzer, das hat mich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Ich entwickle mich langsam. Ich bin nicht jemand, der steil aufsteigt. Natürlich verfolge ich auch eine Ästhetik und eine Linie, die aber nicht trendig ist. Auf längere Sicht zeigt sie aber vielleicht eine Perspektive auf, die überleben kann.» So bescheiden klang der Schweizer vor vielen Jahren. Aber er behielt recht. Seit 1999 leitet der heute 49-Jährige das...
Jaroslaw Jurasz
«Alexis Zorbas»
Unvergesslich die Schlusssequenz aus Michael Cacoyannis’ Film von 1964, in der Alexis Zorbas alias Anthony Quinn den Sirtaki tanzt. Alles hat er nach dem Zusammenbruch seiner Seilbahn verloren, nur nicht seine Lebensfreude. In Halberstadt dampft Jaroslaw Jurasz die 360 Seiten von Nikos Kazantzakis’ Roman auf ihren tanzbaren Extrakt...
Auf den Gletscher
geht’s alle Jahre wieder am 24. April. Dann bringt Hubert Lepka mit seiner Kompanie Lawine Torrèn elefantöse Pistenbullys und Hubschrauber ins österreichische Sölden, damit Hannibal es noch einmal wagen darf, die Ötztaler Alpen am Rettenbachgletscher mit 60 000 Mann zu überqueren. Das Spektakel für über tausend Zuschauer in der Kälte ist...
