Trier
Wieder am 25. März 2017 in Trier
Am Anfang ist allein ein Porträt Dore Hoyers zu sehen. Und auch zwischen den einzelnen Szenen ihres Zyklus lässt sich die legendäre Ausdruckstänzerin zumindest ahnen, die sich in der Silvesternacht des Jahres 1967 voller Verzweiflung vom irdischen Dasein verabschiedet hat. Eine Filmaufzeichnung der «Afectos Humanos» macht ihre Vergegenwärtigung möglich. Aber selbst im Rahmen einer Bühnenadaption hat ihr Schatten noch immer etwas Übermächtiges.
Sich vor ihm zu behaupten, ist alles andere als einfach, und Renate Graziadei muss denn auch ihre ganze Kunst auf den einen Augenblick konzentrieren, um nicht hinter dem «Vor-Bild» völlig zu verschwinden.
Die Mitbegründerin von LaborGras tanzt am Theater Trier anstelle von Susanne Linke, die 1987 «Afectos Humanos» erstmals in ihrer Rekonstruktion vorgestellt hat, und sie interpretiert sie auf ihre Art: die «Liebe» nicht gestenreich bekniend, aber sonst mit einer ganzheitlichen Intensität und gestalterischen Größe, die allein der Bedeutung des Originals angemessen sind. Dabei wirkt Renate Graziadei eher schmächtig. Ihr Erscheinungsbild hat etwas Asketisches. Aber vielleicht ist es gerade das, was zu einer Hohepriesterin passt, ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Hartmut Regitz
Fast vier Jahrzehnte ist es her, da geschah auf dem Grünen Hügel von Bayreuth ein Wagner-Wunder. 1976 wuchteten der Regisseur Patrice Chéreau und der Dirigent Pierre Boulez den vierteiligen «Ring des Nibelungen» auf die Bühne des Festspielhauses und ernteten dafür Buhrufe und Beschimpfungen. Wagners getreue Publikumsritter tobten ob der vermeintlichen...
Die Verwandlung geschieht etwas arg plötzlich. Eben noch bastelt der Puppenmacher Coppélius an einem Gliederrohling, schon kommt das fertige Ballerinenmädchen auf einem Tisch aus den Kulissen gefahren und klappert mit den Augen. Erste steife Verrenkungen bedürfen noch manueller Unterstützung. Dann aber entfaltet das Maschinenwesen ein recht forsches Eigenleben...
Im Februar: Tanzen ist Sünde!
Dieses Urteil setzten die Kirchenväter in die Welt, und ihre Nachfolger verkündeten es weiter bis ins Hoch- und Spätmittelalter hinein – so heißt es jedenfalls, wann immer es um Christentum und Tanz geht. Doch das Klischee ist brüchiger, als wir annehmen. Denn der Tanz gehörte zu den Ritualen, die geistliche Gemeinschaften...
