trier: sven grützmacher «das narrenschiff»

Tanz - Logo

Wer macht sich schon gern zum Narren? René Klötzer spielt zwar einen, aber von «Liebe», «Geborgenheit», «Salafisten» oder «Analverkehr» handelt das Stück noch lange nicht, wiewohl diese sich als Stichworte auf einem Flipchart an der Bühnenrampe wiederfinden. Sie werden von ihm ebenso schnell überblättert wie vergessen.

Erst ein Thema wie «Träumer» lässt den androgynen Spielmacher innehalten, und Christin Braband verkörpert denn auch in der Folge ein Prachtexemplar jener Spezies, ohne die «Das Narrenschiff» à la Sebastian Brant (oder das «Traumschiff» des ZDF) nicht repräsentativ besetzt wäre.

Von beidem ist im Theater Trier zwar nichts zu sehen. Doch dafür hat der junge Mann mit der altersweisen Stirnglatze noch vor dem eigentlichen Beginn eine barbusige Dame im Schlepptau, die sich wenig später auf der Bühne mehr oder minder offensichtlich als Psyche entpuppt. Im Untertitel nennt Sven Grützmacher seine Szenenfolge «Ein Spiel im inneren Universum» – und als «Treibgut der Seele» schweben denn auch die Haltlosen, die Gehaltenen, die Fassungslosen und die sich Haltenden, wie es im Libretto etwas euphorisch heißt, «wie Urelemente durch den Raum».

Den hat Bodo Korsig ausgestattet, ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 40
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
dancer in the dark

Geblendet, schließt der Zuschauer erst einmal die Augen. Kaum dass er sie wieder öffnet, sieht er sich konfrontiert mit einer anderen Welt. Die Bühne ist eingedunkelt, der Boden spiegelglatt. Von hinten fällt das Licht wie gefiltert auf unzählige Silberkabel, an denen Myriaden von Mikrofonen hängen. Vielfach geschichtet, wirkt die Installation von Anette Hachmann...

abschied: charles picq

Vor drei Jahrzehnten, als der zeitgenössische Tanz langsam seinen Platz in der Kunstlandschaft eroberte, hatte der Fotograf, Schauspieler und Musiker Charles Picq bereits die Idee, Choreografien auf Video festzuhalten. Der Autodidakt verfeinerte seine Filmtechnik immer mehr, aus dem Pionier wurde ein Spezialist. Statt sich als Künstler zu profilieren, stellte er...

der lehrer: christian camus

Sie wurden bei Rosella Hightower in Cannes ausgebildet, hatten zahllose Engagements als Tänzer und Ballett-meister und unterrichten seit Jahren sowohl an Schulen als auch bei Kompanien. Bei den ZAV-Auditions (vgl. S. 68) geben Sie regelmäßig das klassische Training. Inwiefern unterscheidet sich das vom normalen Exercice?

Bei einer Audition geht es darum, auf die...