toulouse: Marco Berrettini: «IFeel2»

Eines Nachts beginnen sie wieder. Zwischen Laub, das büschelweise vom Himmel hängt, stehen sich der Mann und die Frau gegenüber im spärlich kühlen Licht. Tragen Schuhe und lange Hosen, nackte Oberkörper. Erwachsene. Marco Berrettini und Marie-Caroline Hominal. Er tanzt los, sie steht ihm gegenüber, tritt in den Takt ein, und sie trennen sich nie wieder, 70 Minuten lang. Sie tun nichts weiter, als Verbindung zu halten, ohne einander zu berühren. Sie tun nur Schritte. Rechts-rechts-rechts, kreuzen, tapp, links-links-links. Auge in Auge. Die Schultern schwingen ein bisschen mit.

Die Laufrichtung ändert sich: hinten, vorne, tapp. Die Hände hängen, jetzt heben sie sich ein wenig höher, biegen sich, die Knie wippen etwas mehr mit als vorher, dann weniger. Die endlosen Repetitionen sind wie ein Wald, in dem der Betrachter den Blick für die Bäume verliert. Er darf versinken in dem, was da ist: dem Takt, den auch die Musik von Sommer Music verfolgt; den Schritten des Paars auf dem klangschluckenden Teppichboden. Die beiden geben sich mit dem kleinen Rahmen völlig zufrieden – «ich und du» oder eben «iFeel2» – und scheinen in der Ziellosigkeit ein seltsames Glück zu finden.

Aber immerzu ...

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Tanz Februar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 41
von Melanie Suchy

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