Toula Limnaios: «Life is Perfect»

Athen

Tanz - Logo

Ihre Eltern flohen vor der griechischen Diktatur nach Belgien. Die Tochter, die ihre eigene Spielstätte in Berlin betreibt, kehrt jetzt kurz zurück ins Land, das mit orthodoxer Beharrlichkeit sich weigert, Nackte auf der Bühne zu ertragen. Das Schlussbild in Toula Limnaois’ jüngstem Stück: ein Haufen sehr leiblicher Leiber vorn, ein Berg von Kleidern weiter hinten. Das Ende vom Lied. Tot ist tot. Und der Tod ist nackt, weil Menschen nicht immer in Würde sterben. Weil sie auch massenweise gestorben werden.

Dieses unvermittelte Ende macht wohl Sinn: Jeder Anfang vom Lied ist ein Atem.

Und wenn’s aus ist, gibt’s keine Luft mehr, die den Körper schützt, ihn lachen oder keuchen ließe. Darum muss bei Toula Limnaios andauernd und alles und in aller Form atmen. Sogar ein Stuhl. Die sich drauf Setzende, Lehnende, ihn auch mal Kopulierende entlockt seinen Kissen einen Atem, als sei's ein Bandoneon. Das kommt auch vor und haucht Geist ins Stück: Tango.

Zwei, drei klassische Schritte sind noch erkennbar, dann wird er kraftstrotzend ein Kampf von ständig Gleichstarken. Ein Paar stürzt sich mit verbundenen Augen aufeinander, sich nur an den Geräuschen der Schuhe findend, stößt die Beine in den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 36
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Pina Bausch

Was heißt hier Liebe? Wenn Pina Bausch sich auf Geschlechterbeziehung einlässt, verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, man wohne einem Kunststück bei. Da ist Jorge Puerta Armenta, den Mund gespitzt. Doch Anna Wehsarg hält ihre Latte hoch. Erst als der Mann, das dressierte Tier, durch einen Reifen springt, treffen sich die scheinbaren Kontrahenten im Kuss. Nicht...

Goyo Montero

Ein williger Nachfolger für Daniela Kurz ist gefunden: Goyo Montero, der zur Spielzeit 2008/09 am Staatstheater Nürnberg die Ballettleitung übernimmt. In Madrid geboren und in Spanien wie in Kuba von namhaften Lehrern ausgebildet, ist er in Deutschland kein Unbekannter. Montero tanzte als Solist am Leipziger Ballett, in Wiesbaden und zuletzt während der Direktion...

Hitze in Moskau

Rushhour in Moskau. Alle Räder stehen still. Die ohnehin schon engen Straßen sind zugeparkt – nicht von Leuten, die gerade mal kurz in einem der sündhaft teuren Geschäfte shoppen gehen oder sich in einem Café rund um den Theaterplatz einen Drink genehmigen, sondern von jungen Fahrern, die sich an diesem heißen Nachmittag bei laufenden Motoren dauerhafte Kühlung aus...