Toula Limnaios: «Life is Perfect»
Ihre Eltern flohen vor der griechischen Diktatur nach Belgien. Die Tochter, die ihre eigene Spielstätte in Berlin betreibt, kehrt jetzt kurz zurück ins Land, das mit orthodoxer Beharrlichkeit sich weigert, Nackte auf der Bühne zu ertragen. Das Schlussbild in Toula Limnaois’ jüngstem Stück: ein Haufen sehr leiblicher Leiber vorn, ein Berg von Kleidern weiter hinten. Das Ende vom Lied. Tot ist tot. Und der Tod ist nackt, weil Menschen nicht immer in Würde sterben. Weil sie auch massenweise gestorben werden.
Dieses unvermittelte Ende macht wohl Sinn: Jeder Anfang vom Lied ist ein Atem.
Und wenn’s aus ist, gibt’s keine Luft mehr, die den Körper schützt, ihn lachen oder keuchen ließe. Darum muss bei Toula Limnaios andauernd und alles und in aller Form atmen. Sogar ein Stuhl. Die sich drauf Setzende, Lehnende, ihn auch mal Kopulierende entlockt seinen Kissen einen Atem, als sei's ein Bandoneon. Das kommt auch vor und haucht Geist ins Stück: Tango.
Zwei, drei klassische Schritte sind noch erkennbar, dann wird er kraftstrotzend ein Kampf von ständig Gleichstarken. Ein Paar stürzt sich mit verbundenen Augen aufeinander, sich nur an den Geräuschen der Schuhe findend, stößt die Beine in den ...
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