Tödliche Blicke
Am Mut fehlt es Carlos Matos nicht. Im Gegensatz zum Feigling «Hamlet». Der portugiesische Choreograf, im dritten Erfolgsjahr am Stadttheater Hildesheim, wagte einen Tanzessay nach Shakespeares Drama und scheiterte auf halbem Weg, wie andere vor ihm. Er konzentriert sich auf zentrale Motive und Beziehungen, reduziert die vielschichtige politische Tragödie auf die Innenschau des narzisstisch gefangenen, durch Zweifel gespaltenen und von Selbstbeobachtung gelähmten Prinzen, den zwei Tänzer verkörpern.
Sie lösen sich zu Beginn voneinander wie ein in sich versunkener Betrachter von seinem Spiegelbild. Im Gegenbild des Schlusses sind die beiden wieder vereint. Hockt der glatzköpfige Matt Batchelder reglos in der Szene, tanzt Hamlets Alter Ego André Mesquita dessen inneren Aufruhr und umgekehrt. Hamlet, entzweit mit sich und zugleich ein Beobachter seiner selbst, erlebt das Drama seines Scheiterns als Erinnerungsfilm im Moment des Todes. Matos vermittelt so die Grundzüge der Tragödie. Besser aber wäre es, man kennt sie auch, denn die Figurenzeichnung verschwimmt im Rückblick, den Hamlets «tödlicher Blickwechsel» mit seinem Widersacher König Claudius beendet.
In der Erinnerung tauchen ...
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