the four seasons restaurant
«Kunst ist nicht dazu ausersehen, die Realität zu kommentieren. Sie schafft ihre eigene Realität, eine Gegenrealität. Kunst ist Kampf.» Um starke Thesen war Romeo Castellucci nie verlegen. Hier ist nicht einfach ein zorniger Italiener am Werk, sondern einer der Letzten, der die Kunst im Theater verteidigt. Mit allen Mitteln bekämpften zuletzt enragierte Ultra-Katholiken sein «Sul concetto di volto nel figlio di Dio».
Das Skandal-Stück über eine Vater-Sohn-Beziehung in der Dauerbelas-tungszone der Demenz, angesiedelt im Schlagschatten eines übermächtigen, Mitleid und Nächstenliebe einfordernden Christus-Porträts von Antonello da Messina, war das Herzstück einer Trilogie, die das Verhältnis von Bild und Wirklichkeit infrage stellt. Und eben seinerseits: eine bildmächtige Provokation. Warum aber kann ein Bild einen Skandal auslösen? Castellucci bohrt noch tiefer: «Was unterscheidet das Bild von einem Gegenstand? Warum ist der Mensch so stark am Bild interessiert, das Tier dagegen nur am Objekt?» Die Trilogie beschließt er nun mit «The Four Seasons Restaurant» – einer Arbeit, die den Maler Mark Rothko und den Dichter Friedrich Hölderlin wie Leerstellen umkreist. Denn es geht ...
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Tanz Oktober 2012
Rubrik: produktionen, Seite 12
von Thomas Hahn
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