Tanzen wie die Neuronen
Wolf Singer,
erzählt Ihnen William Forsythes Choreografie etwas über die Struktur unseres Wahrnehmens und Denkens? Ich denke schon. Charakteristisch ist in all seinen Inszenierungen die Parallelität der Ereignisse. Es passiert immer an vielen Orten gleichzeitig etwas, das sich selbst organisiert. Wenn man das Netzwerk der Bezüge anschaut – dazu braucht man allerdings eine Analyse, man müsste die Tänzer interviewen, um zu wissen, wann sie was machen –, dann wird deutlich, dass ein Geflecht entsteht wie im Gehirn auch.
Es gibt einerseits Wechselwirkungen zwischen direkten Nachbarn, daraus entsteht dann eine lokale Dynamik, die etwas initiiert. Zwei Tänzer sitzen zum Beispiel am Ende der Bühne und warten. Dann passiert etwas und triggert zum Beispiel bei einem Dritten in der Mitte der Bühne ein Verhalten, und wenn dieser in eine ganz bestimmte Phase seiner Bewegung kommt, singen die anderen zwei dazu. Das ist sehr weiträumig komponiert und hat viel Ähnlichkeit mit sozialen Systemen. Dort gibt es zahllose Verbindungen zwischen nächsten Nachbarn und Langstreckenverbindungen, wie z. B. Verwandte und Freunde, die am anderen Ende der Stadt wohnen, die man aber anrufen kann. Es gibt also ...
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Marco Goecke, Scapino
«4x20 Storyproof»
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Die Stadt am Zuckerhut becirct die Sinne – sie tut aber auch weh. Sie birst vor Schönheit. Und aus ihr birst die Armut. Mittendrin versucht es einmal im Jahr eine Tanzplattform namens Panorama, diese ganze Megapole von einem Ende zum anderen zu bespielen, also auch in die Randbezirke zu gehen. Neben gediegeneren Theatern im Stadtzentrum gibt es dort Kulturzentren,...
Degree Zero - auf diesem Gefrierpunkt will die Biennale di Danza in Venedig in den nächsten drei Jahren verharren. Ihr Leiter Ismael Ivo hat diese Rosskur verordnet – zu Recht, wenn man die Situation des Tanzes in Italien betrachtet. Südlich der Alpen weht der Geist des Zeitgenössischen sehr verhalten. Meist feiern Kitsch und Tanzentertainment fröhliche Urständ....
