tanzarchive: gralshüter
Die betagte Dame servierte dem Besucher Kokosmakronen und dirigierte ihn dann ins Studio, um das Ergebnis seiner Arbeit zu begutachten. Aber was sie zu sehen bekam, ging ihr dermaßen gegen den Strich, dass sie die Ärmel hoch- und die Performance ihres Studiosus so lautstark umkrempelte, wie es einer «alten Ausdruckstanzschachtel» gebührt. Der Gemaßregelte begriff, dass jede Korrektur Waltraud Luleys – «Der kleine Finger, Herr Nachbar, der kleine Finger!» – ihn Dore Hoyer und der «Spannungsintensität ihres Tanzens» näherbrachte.
(Martin Nachbars Erinnerung an Luleys Lektion, abgedruckt im Sammelband «Are 100 Objects Enough to Represent the Dance?»)
«Zur Archivierbarkeit von Tanz» weist geradewegs darauf hin, wo das institutionelle Sammeln von Papier, Postern und Probenvideos an Grenzen stößt. Dort nämlich, wo Vergangenheit sich neu inkorporieren und wiederbeleben soll, um die Kunst von dermaleinst ins Heute zu holen. Fünfzehn Beiträge versammelt die Herausgeberin Janine Schulze, die Tanzarchive als Orte «des Erinnerns, des Körpergedächtnisses, der Bewegung» porträtieren und dabei über den deutschen Horizont hinaus nach Frankreich (Centre National de la Danse), USA (Jerome Robbins ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn ich an den Körper denke, denke ich an ihn zunächst ohne Kleidung. Die Haut und die Muskeln übermitteln eine unbeschreibliche Direktheit und Ehrlichkeit. Sie verraten und übertragen alles sofort, jede Regung, jede Spannung, jede Berührung, jede Anstrengung.
Als «Abdrücke» in Brüssel im kleinen Park vor dem Théâtre de la Balsamine gezeigt wurde und männliche...
ist die Gewinnerin des biennalen Choreografenwettbewerbs im dänischen Aarhus. 6700 Euro gewann sie am choreografischen Zentrum Archauz für «Ototoxic», ein Duett mit dem Australier Matthew Tusa. Der zweite Preis ging an die Kanadierin Virginie Brunelle für «Gender Complex», deren Tänzerin Claudine Hébert auch den Preis für die beste Performance erhielt. Für Aoi...
Mit einem seiner unnachahmlichen Monologe läutete Jean-Paul Montanari die Zukunft von «Montpellier Danse» ein. Das vierte Jahrzehnt des Festivals werde im Zeichen des wirkungsvoll restaurierten Ursulinenklosters stehen. Und zum ersten Mal bekommt das Festival einen artiste associé, wie in Avignon seit Jahren üblich. Raimund Hoghe wird es sein, der seit zehn Jahren...
