ausstellen

Der Körper, die Haut, die Nacktheit und die Sexualität. Gedanken der Choreografin Anna Konjetzky

Tanz - Logo

Wenn ich an den Körper denke, denke ich an ihn zunächst ohne Kleidung. Die Haut und die Muskeln übermitteln eine unbeschreibliche Direktheit und Ehrlichkeit. Sie verraten und übertragen alles sofort, jede Regung, jede Spannung, jede Berührung, jede Anstrengung.

Als «Abdrücke» in Brüssel im kleinen Park vor dem Théâtre de la Balsamine gezeigt wurde und männliche Jugendliche die Tänzerin (in Unterwäsche) «total krass und geil» fanden und jeden ihrer Blicke auch zwischen die Beine kommentierten, fragte ich mich, warum ich die Tänzerin so ausstelle, was das bedeutet.

Ob man die Haut sehen und spüren muss, wenn man an den Körper als Installation und Skulptur denkt? Als die Jugendlichen am nächsten Tag als wortlose Zuschauer aus einiger Distanz wieder da waren, fragte ich mich, ob ich nicht besser sie ausstellen sollte.

Bei meinen Installationen wie «Abdrücke» oder «Don’t touch», in denen Nacktheit, Sexualität und Haut sehr präsent sind, der Zuschauer sich aber frei bewegen kann, findet für mich etwas statt, was enorm aufregend ist: Der Zuschauer entscheidet selbst über seine Distanz und seine Nähe, wodurch Scham, Erotik und Körperlichkeit des Zuschauers eine ebenso große Rolle spielen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August 2010
Rubrik: sexualität, Seite 35
von Anna Konjetzky

Vergriffen
Weitere Beiträge
berlin: die sommer.bar

eröffnet das Berliner Festival «Tanz im August» mit einem Parcours am 18. August. Im Podewil zeigt Teresa Mayer eine Eins-zu-eins-Performance, in der der Zuschauer durch eine Umkehrbrille die Welt auf dem Kopf erlebt. Auch Begüm Erciyas steht auf Individualservice, der Einzelzuschauer darf sich etwas wünschen. Immerhin 15 Zuschauer erlauben Angela Schubot und Jared...

wien: mathilde monnier «soapéra»

Mathilde Monnier langweilt sich nie. Mal holt sie eine Romanautorin auf die Bühne, mal eine Performerin. Mal lässt sie ihre Kompanie Philosophie vertanzen, mal bittet sie Kinder auf die Bühne. Es kommt sogar vor, wenn auch selten, dass sie ein Stück mit ihren Tänzern kreiert, aber wohl auch nur, um die These zu widerlegen, ihr ständiges Suchen nach etwas anderem...

lodz: «john moran and his neighbor saori (in thailand)»

 John Moran ist ein Spinner. Ein Erleuchteter. Wundersam perfekt komponiert er auf der Bühne Kunst und Leben zusammen, ohne eitel, schnoddrig oder verklärt zu tun, mit dem zurückhaltenden Duktus eines «Ich erzähl mal was». Guten Abend, sagt er, stellt sich vor, auch seine Brooklyner Nachbarin ­Saori Tsukada, die neben ihm steht. Später erklärt er uns die inneren...