Spieglein, Spieglein
Sie treiben von der ersten Sekunde an auf die Auslöschung zu. Ohne es zu ahnen, geschweige zu wissen. Aber wir da unten, wir wissen es, noch bevor der erste brachiale Akkord aus dem Orchestergraben über das Parkett des Zürcher Opernhauses hinwegdonnert. Noch bevor sich der Vorhang hebt für Cathy Marstons Inszenierung von «Romeo und Julia». Wer kennt es nicht, das Drama von William Shakespeare: Zwei junge Menschen entbrennen in Liebe füreinander, obwohl – oder weil? – sie aus verfeindeten Clans stammen.
Noch heute Alltag in Kreuzberg, der Bronx, den Banlieues von Paris oder Montpellier. Bisweilen auch Krawallstoff in den Luxusquartieren rund um den Globus. Ob hyper- oder minderprivilegiert – familienseitig beargwöhnte Mesalliancen münden schon mal in offenen Streit, Schießerei oder Straßenkampf. Auch Messer kommen dabei routinemäßig zum Einsatz. So wie einst Degen und Schwert in Shakespeares Verona zu Zeiten der Renaissance. Cathy Marston hat das historische Arsenal von der Bühne verbannt und ersetzt es durch einen Spiegel, der zu Bruch geht und zum vielfachen Instrument des Todes wird. Wofür der Spiegel steht? Das eben ist die Frage.
Rochaden im Personaltableau
Bloß keine ...
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Tanz November 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 14
von Dorion Weickmann
Paris
MILLEPIED UND DAS CABARET
Smarte Idee: Benjamin Millepied, Ex-Ballettdirektor der Pariser Oper, choreografiert gleich drei Titel in den legendären Folies Bergère. «Barbara, du bout des lèvres» übersetzt die Chansons der ikonischen Sängerin in reine Tanz-Poesie. «Summerland» (siehe S. 54) lässt die Tänzer*innen zu Klängen von November Ultra (Foto: mittig)...
In der Collezione Maramotti hängt ein riesiges Boot über unseren Köpfen. Claudio Parmiggianis Installation «Caspar David Friedrich» (1989) bildet den Rahmen für Crystal Pites erste außerhalb des Theaterraums entwickelte Choreografie: «Alchimia», performt in Reggio Emilia von Tänzer*innen des Nederlands Dans Theater 1 und Pites eigenem Ensemble, Kidd Pivot....
THE BODY WITHIN ABSTRACTION
Konstruktivismus und Abstraktion haben den Ruf, körperlose Künste zu sein: Es geht um Linie, Farbe und Oberfläche, der Körper kommt da nur am Rande vor. Aber vielleicht blendet diese Sicht ja einen wichtigen Zugang zur Abstraktion aus? Die von Sabine Schaschl kuratierte Ausstellung «The Body Within Abstraction» fragt, wie unter anderem...
