sharon eyal
Diese Utopie scheint kaum noch einer zu teilen: dass sich für den zeitgenössischen Tanz genauso viel Publikum begeistern könnte, wie fürs Ballett. Zeitgenössischer Tanz müsse Opernhäuser füllen, hieß es mal, und das kann er ja auch, wenn Namen wie Pina Bausch, Sasha Waltz oder nun: Sharon Eyal plakatiert sind.
9000 Zuschauer in acht Vorstellungen, das ist die Bilanz allein im Stadttheater von Göteborg, wo «Homeland» – ein doppelter Doppelpack aus Sharon Eyal & Gai Behar sowie Guy Weizman & Roni Haver – das Publikum total aus dem Häuschen brachte und ein dickes Plus ins Kassenbuch malte.
Zählen können müssen bei Sharon Eyal und ihrem Mann Gai Behar aber vor allem die Tänzer. Wenn die beiden einen dicken Katalog von Bewegungsmustern aufschlagen, daraus 65 Exemplare ganz verschiedener Tanzfiguren auf 35 Minuten verteilen, dann wechseln die beiden – selbst ohne die kleinen Wiederholungen, etwa das nervöse Klopfen von Fingerspitzen in die hohle Hand, das wie ein Gebet von Außerirdischen vor einem Angriff aussieht – im Schnitt den Schritt jede halbe Minute. Was sich nicht alle 30 Sekunden ändert, langweilt sie. Bei den Proben, heißt es, hätten sie sogar 103 weitere solcher ...
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Tanz Dezember 2012
Rubrik: menschen, Seite 20
von Arnd Wesemann
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