seine-saint-denis: rencontres chorégraphiques
Wörter, Gesten, Punk. Der US-Amerikaner Daniel Linehan hat kein Problem damit, diese höllisch-himmlische Trinität zu einem hypnotischen Strudel zu verdichten. Mit seinem neuen Stück «Zombie Aporia» präsentiert er einen weiblichen und zwei männliche Zombies, die sich in eine Art Trance schaukeln, angetrieben von den Sex Pistols, von Gedichten und den Bewegungen, Gesten und Ausrufen der Zuschauer eines Rockkonzerts. Zombies, weil sie
alles von einem Bildschirm übernehmen. Sie kopieren, fragmentieren und mischen, um alles zu verzerren, zu beschleunigen, unkenntlich zu machen.
Zombies, weil sie agieren, ohne zu empfinden, während der Körper sich erhitzt. Linehan trägt ihn immer weiter in Richtung einer medialen Transzendenz. Weitere Persönlichkeiten der «Rencontres Chorégraphiques de Seine-Saint-Denis» sind Nigel Charnock mit seinem Solo «One Dixon Road», das ihn federleicht von Punk zu Mary Poppins trägt, die Finnin Anna-Maija Terävä mit ihren 49 Schreien zwischen Sport und Clown in «On Ice», das ihr Maija Hirvanen choreografiert hat, oder Adam Linder, der in «Early Ripen Early Rot» inneres und äußeres Chaos zelebriert. Das Starke lebt wieder auf.
rencontreschoregraphiques.com
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Tanz Mai 2011
Rubrik: kalender highlights, Seite 34
von Thomas Hahn
Weißer Flokati, so weit das Auge reicht. Nach strengen Körperexerzitien dient der Kultteppich der siebziger Jahre als Spielwiese für erotische Räkeleien im Gedenken an die wilden Sechziger. Sehr cool, sehr distanziert sind die acht Tänzer, die Arco Renz in «2069» als Zeitkapselreisende auf das Jahr 1969 ansetzt. Jimi Hendrix pfeift, Psychedelisches von Pink Floyd...
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