Riki von Falken: «Begegnung zwischen Ungleichen»

in Berlin

Tanz - Logo

Riki von Falken braucht auch für ihre Begegnung zwischen «Ungleichen» einen heiligen Hain, eine Art Todeszone aus höchstmöglicher Ordnung, beschwörender Stille, gefüllt mit Klängen von Ligeti und Cage. Tennisplatzgroß ist die Halle im ersten Stock der nunmehr alten Akademie der Künste in Berlin. Der halbseitig gelähmte Tim Petersen stößt wie ein Elefant ins Waldhorn und umhinkt langsam die Außenlinie einer Fläche, in der ein Ritual aus Wiederholungen, Variationen und Schrittfolgen über eine Geometrie begleitet wird vom stillen Brummen der Scheinwerfer.

Friederike Plafki fällt Petersen beim Umschreiten des Zeremonienplatzes in den Arm – und siehe, er beschleunigt, während Riki von Falken mit lässiger Rigorosität weiter an den so bestimmten, harschen, repetetiven Bewegungen arbeitet, wie gewohnt. Die drei betanzen ihr Zeichensystem, bevölkert von Schlagholz­klängen und fotografischen Schattenwesen. Nichts ist dem Raum zu entlocken als gewinkelte Bewegung, analog der naturgewinkelten, gelähmten rechten Hand des Schauspielers Tim Petersen, auf die gewinkelte Kunstgeometrien aus Schritten antworten: präzise Linien ohne Ziel, ohne dramaturgisches Lineament, ohne die spürbare Ordnung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2005
Rubrik: On Stage, Seite 68
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plot nicht ersichtlich – und wozu auch?

Beeinflusst das, was wir über ein Tanzstück lesen, unsere Wahrnehmung? Und inwiefern gilt dies für den Titel? «Naked» heißt das neue Stück der Ballet Boyz, und ich erwartete vor der Uraufführung in London genau das: Nacktheit, wenn auch nicht allzu viel nackte Haut. Wir bewegen uns in England, und da bewegt ein nackter Busen noch immer die Fantasie, die Nerven und...

Efva Lilja

By early 2006, choreographer and Professor of Choreography at the University College of Dance in Stockholm, Efva Lilja, will have completed her artistic research project “The Memory of the Body.“ To Lilja, human memory is a re-construction that is constantly changing as a consequence of the dynamic mental processes that create accumulated memory. As she puts it,...

Memotrip

Diese Geschichte von Simonides. Cicero erzählt sie in seiner Rhetoriklehre und entwickelt an ihrem Beispiel eine Erinnerungstechnik, die Namen und gar ganze Texte an Bilder koppelt. «Wer sich an einem Text oder an bestimmte Stichworte erinnern will», erklärt Levy einmal im «Memotrip» von Matthias Wittekindt die antike Gedächtniskunst, «baut sich zu jedem Wort ein...