Renée Gumiel

gestorben

Tanz - Logo

Fast ein ganzes Leben war vergangen, seit sie zum letzten Mal in dieser Stadt gewesen war – da feierte der Nazi-Staat gerade Olympische Spiele, und die im französischen Saint-Claude geborene Renée Gumiel war 23. Jetzt, nicht ganz 70 Jahre später, kurvte sie beim Berlin-Besuch anläss­lich des Gastspiels in der Volksbühne auch die neue Glaskuppel im Reichstag hinauf: im Rollstuhl, und sie bestaunte die Reste der Mauer.

Als der brasilianische Staat Deutschland zur WM mit «Copa da Cultura» ein illustres Kulturprogramm schenkte, war sie noch einmal dabei: zerbrechlich wie aus Glas neben Ismael Ivo beim Gastspiel in Berlin, kaum mehr als Haut und Knochen, aber noch immer voller Energie. Bis zum Schluss hat sie auf der Bühne gestanden in den Aufführungen des Teatro Oficina aus São Paulo. Wenige Wochen vor dem 93. Geburtstag ist Renée Gumiel nun dort gestorben.

Klassisches Ballett habe sie nie interessiert, erzählte Renée gelegentlich sogar auf Deutsch: «Ich werde doch meine Füße nicht in Spitzenschuhe zwängen!» Bei Araca Makarowa begann die 19-Jährige zu tanzen, in London lernte sie die Exilanten Kurt Jooss und Rudolf Laban kennen. Der französischen Résistance gehörte sie an, kannte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2006
Rubrik: Celebrities, Seite 28
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Philipp Gehmacher

Philipp Gehmacher ist unter den Choreografen der Fragwürdigs­te. Keiner befragt Tanz grundsätzlicher. 2004/05 entwickelte der Österreicher Incubator, zugleich auch Titel dieses Buches, zuerst als Performance für vier Tänzer aus puren Gesten. Ihr Ziel: das Zeichen aus dem Tanz zu vertreiben. Zusammen mit Angela Glechner und Peter Stamer gibt es jetzt 107 Seiten...

Wie wird Tanz ein Schulfach?

«Tanz in Schulen» ist ein Modellprojekt des NRW Landesbüros Tanz. Wie ist es gelungen, andere Länder davon zu überzeugen, dass Tänzer die besseren Schüler sind? Wir haben keinen überzeugt, andere sind auf uns zugekommen. Mittlerweile gibt es die TanzZeit Berlin, «Tanz und Schule» in München und viele andere. Derzeit gründen sich sprunghaft überall Initiativen, ob...

Sasha Waltz

Sasha Waltz hat ein Ziel: 60 Vorstellungen im Jahr in Berlin. Warum? Die Schaubühne, die ihr dortiges Repertoire (u. a. «Körper») aufrecht erhält, die Staatsoper (nach «Dido & Aeneas» plant sie hier «Medea») und das Radialsystem, der Kunstort ihres Mannes, den sie mit «Dialoge 06 – Radiale Systeme» effektvoll eröffnete, bilden plus ihrer Kinder- und Jugendarbeit...