Régine Chopinot
Das Stück ist gelaufen, der Applaus verklungen. Aber der Tänzer von Régine Chopinot muss noch mal raus. Nicht zum Abbauen, sondern weil sein Schatten noch mal Gassi geht, im Gegenlicht einer Neonwand. Der Tänzer wird zum Scherenschnitt, zum Zerberus, sechsarmigen Monster, den die Hunde zerfleischen. Endzeitstimmung. Silhouetten huschen über die Bühne wie Überlebende von Hiroshima. Noch Fleisch, aber auch aus Blut? Dann und wann spielen sie mit zerlaufenden Schatten aus Filz wie Dalí mit Uhren. Régine Chopinots «O.C.C.C.» ist ein Rätsel.
Der Schluss der Trilogie «La Fin des temps» soll es sein. «Chair-Obscur» schockte 2002 durch seine Nähe zum Tod. 2004 war «W.H.A.» ein Wutschrei, von manchen als Anarchie auf der Bühne empfunden. Immerhin entschlüsselbar: «Warning. Hazardous Area». Aber «O.C.C.C.»? So obskur wie la chair – das Fleisch – in diesem Schattenballett. In «W.H.A» war der Mensch noch Mensch. In «O.C.C.C.» ist er sein eigenes Grab und in das steigt er präzisen Schritts. Und verschwindet in dem Augenblick, in dem der Tanz entsteht, aus unserem Verständnis.
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