Régine Chopinot

erforscht das Fleisch im Scherenschnitt ihrer jüngsten Choreografie «O.C.C.C.»

Tanz - Logo

Das Stück ist gelaufen, der Applaus verklungen. Aber der Tänzer von Régine Chopinot muss noch mal raus. Nicht zum Abbauen, sondern weil sein Schatten noch mal Gassi geht, im Gegenlicht einer Neonwand. Der Tänzer wird zum Scherenschnitt, zum Zerberus, sechsarmigen Monster, den die Hunde zerfleischen. Endzeitstimmung. Silhouetten huschen über die Bühne wie Überlebende von Hiroshima. Noch Fleisch, aber auch aus Blut? Dann und wann spielen sie mit zerlaufenden Schatten aus Filz wie Dalí mit Uhren. Régine Chopinots «O.C.C.C.» ist ein Rätsel.

Der Schluss der Trilogie «La Fin des temps» soll es sein. «Chair-Obscur» schockte 2002 durch seine Nähe zum Tod. 2004 war «W.H.A.» ein Wutschrei, von manchen als Anarchie auf der Bühne empfunden. Immerhin entschlüsselbar: «Warning. Hazardous Area». Aber «O.C.C.C.»? So obskur wie la chair – das Fleisch – in diesem Schattenballett. In «W.H.A» war der Mensch noch Mensch. In «O.C.C.C.» ist er sein eigenes Grab und in das steigt er präzisen Schritts. Und verschwindet in dem Augenblick, in dem der Tanz entsteht, aus unserem Verständnis.


 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2006
Rubrik: Jenseits, Seite 74
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Val Bourne to retire

In January 2007 Betsy Gregory will formally become Artistic Director of Dance Umbrella and Val Bourne will step down after directing the 2006 season. Bourne founded Umbrella 28 years ago and introduced the best modern dance from the USA as well as presenting and nurturing the cream of British talent. Arnie Zane, Bill T. Jones and Mark Morris were among her first...

Das Kind ist lieb

Die Kombination eines Tanzstücks und einer Oper, die sich Daniel Goldin zum zehnjährigen Bestehen seines Tanztheaters für seinen Ravel-Abend vorgenommen hat, ist immer heikel – besonders dann, wenn der Choreograf auch die Inszenierung der Oper übernommen hat und versucht, das, was Musik und Gesang erzählen, mit Tanz und Bewegung zu kommentieren.
Ravels «L’Enfant et...

Im Luftzug

Als Mann mit den Fußsohlen aus Wind hat Verlaine seinen Freund Rimbaud bezeichnet. Der Afrikaner Koffi Kôkô könnte sein Nachfahre sein. Der Kurator und Choreograf ist ein Global Player im Tanz. Daneben wirkt er als Voodoopriester in seinem Land Benin. Das Luzerner Tanztheater-Ensemble von Verena Weiss verpflichtete Kôkô und die Taiwanesin Chiang-Mei Wang als...