Raus zum Applaus

Tanz - Logo

«Wie war ich?» Wenn eine Tänzerin nach der Aufführung so fragt, geht es nicht unbedingt um Hebefiguren, Headspins oder Spagat. Genauso wichtig ist eine gute Vorstellung am Ende des Auftritts. Oder umgekehrt: Ein guter Auftritt nach der Vorstellung. Nicht erst im Cocktailkleid auf dem Empfang, sondern schon vorher, wenn sich der Vorhang hebt, zum Applaus. Wenn das Licht wieder angeht, das Verbeugen ansteht, und plötzlich ist er da – der direkte Kontakt mit dem - Publikum.

Genau dann wühlen die Zweifel: Wie forsch darf der Schritt sein, wie selbstbewusst das Lächeln? Und wenn es zu schüchtern aussieht? Ist das schlimm? 

Das Verbeugen ist ein Ritual. Tanz ohne Rituale, das geht gar nicht. Schon gar nicht im Ballett, und erst recht nicht beim alljährlichen «Défilé» an der Pariser Opéra. Nirgends wiegt die Huldigung an die Tradition schwerer. Das «Défilé» endet in einer Architektur aus weiß bekleideten Grazien und Galanen aller Altersstufen, fein geordnet zu nachgerade barocker Symmetrie. Dahinter steckt Kalkül. Nur Rituale erhalten die Tradition. Im zeitgenössischen Tanz geht es lässiger zu: Kurzes Nicken ins Publikum, ein Wink zum Regieteam, vielleicht noch ein Lächeln – das genügt. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Paris: «Oh Louis...»

Ludwig XIV. (1638 – 1715) genießt den Ruf, als «Sonnenkönig» ein Freund der Künste gewesen zu sein. Wenn einer dem Tanz so huldigt wie der Superstar der Bourbonen, dann kann er kein schlechter Mensch gewesen sein. Meinen die Franzosen bis heute. Robyn Orlin mahnt sie, nicht zu vergessen, dass gerade dieser Louis, dem wir die Kodifizierung der Ballettkunst...

Manuel Legris

Zwei Tage nach der Premiere seiner umjubelten Einstudierung des Nurejew‘schen «Don Quixote» in Hamburg wurde es in Wien offiziell: Manuel Legris (53) wird, wie Intendant Dominique Meyer, 2020 die Wiener Staatsoper verlassen. Meyer wird von Bogdan Roscic abgelöst, Legris geht aus freien Stücken. Wer ihm nachfolgt, wird voraussichtlich wie gewohnt der neue Opernchef...

Graz: «Meine Seele hört im Sehen»

Wenige Monate nach seinem erstaunlichen Abend «Kontrapunkt. Auf der anderen Seite von Bach» legt Jörg Weinöhl am Grazer Opernhaus seine nächste Barock-Hommage vor. Neunzig Minuten nahezu reiner Tanz, die der scheidende Ballettdirektor (tanz 1/18) zart durchpulst mit Schwingungen feinster Art. So als bestelle ein Gärtner seine jungen Pflanzen und versorge sie mit...