Po-Cheng Tsai/Mauro Astolfi/Marie Chouinard: «Bach recomposed»
Aquamarinblau leuchtet die Bühne im Großen Haus des Berner Stadttheaters. Da ist Weite, Meer. Stille. Plötzlich tauchen aschgraue Reptilienmenschen auf, holzschnittartige Wesen ohne Geschlecht und ohne Gesicht (Kostüme: Dominique Steinegger). Entfernt erinnern sie an die versteinerten Vulkantoten von Pompeij, doch es sind Fantasiefiguren, ein mythisches Volk, das vom Meeresgott Aegir regiert wird. Er hat den mehrfacher Gewinner des Berner Tanzpreises Po-Cheng Tsai zu seinem gleichnamigen Stück inspiriert.
Tsai entpuppt sich hier einmal mehr als Bewegungsschöpfer mit sicherem Gespür für Atmosphären und Timing. Gekonnt baut der Taiwaner in seine Tableaux asiatisches Bewegungsmaterial mit ein, strenge Geometrien, die wie Blüten aufbrechen, Torsi mit Schlangenarmen, Hände, die sich über den Köpfen in Flammenkronen und Krebszangen verwandeln. Perfekte Illusionen: Bei bloßem Zusehen spürt man die Strömungen und Wellen, denen diese Figuren im Wasser ausgesetzt sind. Der Sound, den Tamar Halperin aus Instrumentalwerken von Johann Sebastian Bach destilliert hat, scheint sie mal sanft zu umspülen, mal stürmisch aufzupeitschen. Die Berner Tanzcompagnie zeigt sich in Bestform, begeistert durch ...
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Tanz März 2023
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Marianne Mühlemann
Biografie
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