Philippe Talard

Beinahe wäre er selbst im Knast gelandet. Inzwischen kümmert sich der ehemalige Ballettchef des Mannheimer Nationaltheaters wie ein Familienvater um Straffällige. Drei Gefängnisprojekte hat Talard inzwischen mit ihnen auf die Beine gestellt.

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Warum? Warum? Wahrscheinlich kann Philippe Talard die Frage nicht mehr hören. Wie kommt ein Mann von Welt dazu, sich ausgerechnet auf Gefängnis­projekte einzulassen? Talard sagt nur ein einziges Wort: Genet. Jean Genet. Seine ­Texte haben es ihm angetan. Die Art, wie er schreibt. Die gemeinsamen biografischen Bezüge.

«Wir beide», erzählt er, während er die erste von unzähligen Zigaretten ­anzündet, «wir beide sind Adoptivkinder – allein das kann bereits über das weitere Schicksal entscheiden: Kommt man entweder in eine gute oder in eine schlechte ­Familie?»
Talard hat wohl Glück gehabt, er hat eine wunderbare, warmherzige Mutter ­gefunden – und beschäftigt sich seit seinem 17. Lebensjahr mit den Texten eines Autors, dem es in seinem Leben weniger gut erging, mit Menschen, die außerhalb der ­Gesellschaft existieren und sich ganz ihrer Poesie ergeben. «Sie sind ausgesperrt», sagt er, «haben kein Geld. Und da gibt es diese Freiheit in der Poesie. Auf einmal sehen sie Bäume, wo es keine Bäume gibt. Entdecken Blumen, wo keiner jemals welche finden würde. Auf sich gestellt, schaffen sie sich ihr eigenes Reich. Mancher überlebt diese Einsamkeit nicht. Manchen macht sie produktiv.»
Stundenl ...

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Tanz Juni 2005
Rubrik: Portrait, Seite 18
von Hartmut Regitz

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