Peeping Tom «S 62° 58’, W 60° 39’»
Sie gehören zu den Nullerjahren wie der Manneken Pis zu Brüssel: Im Jahr 2000 gründeten der Franzose Franck Chartier und die Argentinierin Gabriela Carrizo das Projekt Peeping Tom und prägten eine neue Ära des belgischen Tanztheaters, mit surrealen Stücken, deren Titel immer wieder Ortsbezüge enthalten. Der aktuelle, «S 62° 58’, W 60° 39’», ist da nur konsequent. Auf der Bühne liegt ein Boot, gefangen im Packeis der Antarktis, nahe der Insel der Täuschung.
Die gibt es wirklich, wie auch die Adresse im Titel des 2009 kreierten «32, rue Vandenbranden», damals der Wohnort von Carrizo und Chartier.
Kennengelernt hatten sie sich als Interpret*innen der Ballets C. de la B., der Truppe von Alain Platel in Brüssel, wo sie bis vor kurzem ansässig waren. Heute hat Chartier eine Adresse in Barcelona, auf einem Boot – die Lockdowns und das Gefühl des Gefangenseins in der Stadt ließen die Lust auf Luft und Wasser ins Unwiderstehliche steigen. In «S 62° 58’, W 60° 39’» klagen die im Eis Eingeschlossenen, dass sie sich für die Kompanie jahrzehntelang in eine Art Gefangenschaft begeben hätten. Nur – gilt das nicht genauso für die Chefs? Was bedeutet sie wirklich, diese von der Bühnenbildnerin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2023
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Thomas Hahn
HOOVER HAGER LASSNIG
Licht, Raum und Körper sind zentrale Elemente der Kunst von Anneliese Hager (1904 – 1997), Maria Lassnig (1919 – 2014) und Nan Hoover (1931 – 2008). Was nach einem typisch performativen Zugang klingt, versteckt sich zumindest bei Hager hinter Fotogrammen und bei Lassnig hinter Malerei, einzig Hoover wurde (neben Licht- und Videokunst) auch mit...
Sie lernten sich 1987 als Studenten an der Royal Ballet School kennen und sind seither zumindest beruflich unzertrennlich: Michael Nunn und William Trevitt, die anno 2000 die BalletBoyz (anfänglich noch unter dem Namen George Piper Dances) gründeten und die Kompanie bis heute gemeinsam leiten. Die Idee zu ihrem aktuellen, bisher wohl ambitioniertesten Projekt kam...
Es war 2006, als er in «The Disappeared» von David Dawson mit Bridget Breiner tanzte. Genau wie die Ballerina war auch Raphaël Coumes-Marquet neu als Solist zum Ensemble des Semperoper Balletts in Dresden dazugestoßen. Zwei Jahre später nahm sie ihren Hut, um als freischaffende Choreografin zu arbeiten. Das zwischenzeitlich geknüpfte Freundschaftsband aber hatte...
