Paris on tour: Mette Ingvartsen «Moving in concert»
Nein, diesmal geht es der dänischen Choreografin nicht um Pornografie, nicht um die Furcht vor Sexualität, die ihre pornografische Erfüllung in der Inszenierung von Sexualität finden will. Ihr geht es in diesem Stück darum, sich «konzertant zu bewegen», um die Betrachtung des Einflusses der Technik auf den Menschen.
Wir alle folgen «konzertant» bestimmten Regeln, die die Technik uns nahebringt: Wir suchen in fremden Räumen nach Lichtschaltern, achten auf der Straße auf Ampeln, drücken ohne Unterlass Knöpfe – und glauben sogar, wir müssten auf Knopfdruck und auf jeden Hinweis reagieren. Diese Vorstellung, dass Technik und Verhalten einander bedingen, legte vor Jahren die Philosophin Catherine Malabou nahe. Sie untersuchte die Fähigkeit des Hirns, sich plastisch, elastisch der Umwelt anzupassen. Das Hirn lernt immerzu Regeln, die von außen als Zeichen einwirken. Es reflektiert diese aber nicht abstrakt als Zeichen, die sie eigentlich sind, sondern als Regeln für ein Verhalten, das nicht infrage zu stellen ist. Wir glauben, dass ein Lichtschalter funktioniert. Wir glauben, bei Rot anhalten zu müssen. Und wir glauben den Medien, weil sie, in ihrer Totalität von Lichtzeichen, mit uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wir machen einen Sprung, dreißig Jahre zurück, ins Jahr 1989: Die DDR wackelt, die Situation ist zunehmend angespannt. Sie sind als Tänzer in Leipzig beziehungsweise Gera engagiert. Wie ist Ihre persönliche Lage?
Mario S.: Ich hatte Reiseverbot für das westliche Ausland, obwohl es Angebote für eine Europatournee mit meinem Soloprogramm gab. Wenn die Leipziger...
Nach gut einer Stunde wird das erste Schwefelhölzchen gezündet, und auf einmal ist alles anders. Warmes Licht fällt auf die Szene, die sonst wie vor Kälte erstarrt, und auf der Bühne des Zürcher Opernhauses wird es lebendig. Als wäre das «kleine, arme Mädchen mit bloßem Kopfe und nackten Füßen» einen «Ritsch» lang eine Heilige, so wird es von einer Schar auf Händen...
Das renommierte «Holland Dance Festival» ruft in diesem Jahr zwei Tage lang zu «DanceAble #3» − einer Plattform rund um alle Aspekte der Inklusion.- Den Auftakt macht ein Symposium, das unter anderem mit einer Lecture Performance von Claire Cunningham punktet. Es folgt die Bühnenprobe aufs Exempel, nämlich die Vorstellung «Step into the Future», an die wiederum...
