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carte blanche «birthmark»

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Sechs Frauen lassen die Köpfe kreiseln. Sie pusten zart, küssen die Luft, wiegen sich breitbeinig im bisschen Wind, den sie machen. Die Rücken schwanken, die Arme rudern. Auf die Bühne gepflanzt, neigen sie sich wie Pflanzen, um bald festzustellen, dass sie doch nur Tänzerinnen sind. Also kläffen sie wie Hunde, sobald nur eine aus der Ordnung des Gemüsegartens ausbricht. Tiere sind böse, Pflanzen sind gut.

Und wenn die norwegischen Choreografinnen Kristin Ryg Helgebostad und Ingeleiv Bergstad Pflänzchen ausrupfen lassen, ringen ihre Tänzerinnen in «Loudspeakers» bäuchlings um die Auferstehung.

Zuvor lagen sechs Männer auf dem Rücken wie Käfer. Ihnen war es nicht vergönnt, diesen hohen Ernst des Pathos zu erreichen. Die Figur des Denkers, des Märtyrers – sie scheiterten stets am süffisanten Grinsen der Mitspieler. Diesmal sind es Siri Jöntvedt und Snelle Ingrid Hall als Spielleiterinnen, die sich in «Notes in Cracking» zu Ringelreih mit Anfassen entschließen und die Männer als Leadsänger mit Boygroup karikieren.

Die Mädchen immerhin verfallen in einen Rausch, zu hymnischer Rockmusik mit stets nach rechts wippenden Beinen, die auch mal ausschlagen wie die Triebe. Aber was sagt uns ...

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Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 52
von Arnd Wesemann

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