Ophelias Talente

Es ist was faul im Staate Dänemark: Bryan Arias zeigt «Hamlet» am Ballet du Rhin als dunkle Welt, aus der man so schnell wie möglich weg möchte

Tanz - Logo

Keine Zeugen. Bei William Shakespeare stirbt der dänische König unbegleitet. Königssohn Hamlet ist ja nicht da, der ist zum Studium in Wittenberg, und erst nach seiner Rückkehr muss er erfahren, dass der Vater tot ist und Mutter Gertrude mittlerweile seinen eigenen Onkel Claudius geheiratet hat. Dass es sich hier um einen Mord handelt, weiß Hamlet nur, weil der Vater als Geist zurückkehrt. Der Held wird hier zum verwirrten Jugendlichen, der im Wortsinne Gespenster sieht und dessen Suche nach der Wahrheit auch ein immer tieferes Einspinnen in ein Wahngebilde ist.

Was bei dieser im Sprechtheater häufig hinzugezogenen figurenpsychologischen Interpretation unter den Tisch fällt: Hamlet mag außer Landes sein, aber natürlich gibt es Figuren, die mitbekommen, was abgeht. Ophelia zum Beispiel. Die Freundin des Titelhelden steht bei Shakespeare ein bisschen am Rand und wird dann auch recht leidenschaftslos per Tod durch Ertrinken entsorgt (was beispielsweise Florentina Holzinger in «Ophelia’s Got Talent» problematisierte, tanz 11/22). Bryan Arias’ «Hamlet»-Kreation fürs Ballet de l’Opéra national du Rhin aber rückt sie in den Mittelpunkt. Ophelia (Susie Buisson, alternierend mit Lara ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Metamorphosis

Ein einmaliger Abend. Wer dabei gewesen ist, wird sich auch nach so langer Zeit an den Sommerabend hoch oben auf den Stuttgarter Höhen gut erinnern. Als künstlerisches Highlight im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung des Jahres 1993 angesetzt, erfüllte der «Apollon» von Renato Zanella nicht nur alle Erwartungen. Er überbot sie: Dreimal musste die...

Parcours: Störmanöver

Klara läuft durch New Yorks Financial District, stolpert, fällt, rappelt sich wieder auf und läuft weiter – is’ was? Sie springt durch die Stockholmer S-Bahn, turnt auf die Gepäckablage, wirbelt um die Stangen – geht doch. Sie klettert durch das Baugerüst unter einem oberirdischen Streckenabschnitt der Berliner U-Bahn – ist das erlaubt? Sie hängt sich wie ein...

Still ruht der See

«Flow», das kann vieles bedeuten. Iván Pérez interpretiert den Begriff am Dance Theatre Heidelberg ganz wörtlich und lässt sein Wissen sowie das seines Ensembles einfließen in ein elementares Stück Tanz, das er vieldeutig «Bodies of Water» nennt. Vieldeutig, weil Pérez im Titel nicht nur auf die drei Aggregatzustände des Wassers anspielt, sondern auch auf die...