Ophelias Talente

Es ist was faul im Staate Dänemark: Bryan Arias zeigt «Hamlet» am Ballet du Rhin als dunkle Welt, aus der man so schnell wie möglich weg möchte

Tanz - Logo

Keine Zeugen. Bei William Shakespeare stirbt der dänische König unbegleitet. Königssohn Hamlet ist ja nicht da, der ist zum Studium in Wittenberg, und erst nach seiner Rückkehr muss er erfahren, dass der Vater tot ist und Mutter Gertrude mittlerweile seinen eigenen Onkel Claudius geheiratet hat. Dass es sich hier um einen Mord handelt, weiß Hamlet nur, weil der Vater als Geist zurückkehrt. Der Held wird hier zum verwirrten Jugendlichen, der im Wortsinne Gespenster sieht und dessen Suche nach der Wahrheit auch ein immer tieferes Einspinnen in ein Wahngebilde ist.

Was bei dieser im Sprechtheater häufig hinzugezogenen figurenpsychologischen Interpretation unter den Tisch fällt: Hamlet mag außer Landes sein, aber natürlich gibt es Figuren, die mitbekommen, was abgeht. Ophelia zum Beispiel. Die Freundin des Titelhelden steht bei Shakespeare ein bisschen am Rand und wird dann auch recht leidenschaftslos per Tod durch Ertrinken entsorgt (was beispielsweise Florentina Holzinger in «Ophelia’s Got Talent» problematisierte, tanz 11/22). Bryan Arias’ «Hamlet»-Kreation fürs Ballet de l’Opéra national du Rhin aber rückt sie in den Mittelpunkt. Ophelia (Susie Buisson, alternierend mit Lara ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Tanz als Tarnung

Welch entscheidende Rolle er als Choreograf spielen sollte, war dem am 23. Januar 1928 im thüringischen Esperstedt geborenen Tom Schilling nicht in die Wiege gelegt. Kinderballett in Dessau, nach Arbeits- und Kriegsdienst 1945 Solist an der Staatsoper Dresden, begeisterter Unterricht bei Dore Hoyer und, ab 1946, in Leipzig bei Mary Wigman: all diese Einflüsse...

Im Augenblick

Jeden Morgen, wenn sie zum Training ins Münchner Nationaltheater geht, spricht sie ein kleines Dankeschön – «ganz leise, ganz für mich». Sozusagen von einer Frau zur anderen. Denn dort, vor dem Konstanze-Vernon-Saal, hängt das Porträt der Namensgeberin und Gründungsdirektorin des Bayerischen Staatsballetts, die seinerzeit den Politikern so lange auf die Füße trat,...

Notiert 4/26

Der «Dr.-Wilhelm-Oberdörffer-Preis», verliehen von der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper und dotiert mit jeweils 8000 Euro, geht dieses Jahr unter anderem auch an Mitglieder des Hamburg Ballett: an die Solistinnen Olivia Betteridge und Charlotte Larzelere.

Den «Theaterpreis Berlin 2026» erhalten Lina Majdalanie und Rabih Mroué.

Alessandra Ferri,...