Metamorphosis

Iratxe Ansa und Igor Bacovich stürmen die Tanzlandschaft

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Ein einmaliger Abend. Wer dabei gewesen ist, wird sich auch nach so langer Zeit an den Sommerabend hoch oben auf den Stuttgarter Höhen gut erinnern. Als künstlerisches Highlight im Rahmen der Internationalen Gartenbauausstellung des Jahres 1993 angesetzt, erfüllte der «Apollon» von Renato Zanella nicht nur alle Erwartungen. Er überbot sie: Dreimal musste die Schlussszene auf der Freilichtbühne im Höhenpark Killesberg wiederholt werden, und Vladimir Malakhov setzte noch zwei Auftritte drauf, bevor das Publikum sich zufriedengab und den Sonnengott aus seiner Führungsrolle entließ.

Ein Abend der John Cranko Schule, damals noch geleitet von Alex Ursuliak. Unter den Musen: Iratxe Ansa aus San Sebastián, die es wie so viele aus dem spanischen Baskenland, dem Beispiel der langjährigen Ballettsolistin Hilde Koch folgend, nach Stuttgart verschlagen hatte. Ihr tänzerisches Talent war nicht nur bei dieser Präsentation offensichtlich. Kalliope verkörpernd, schien schon damals ihr Weg in den Olymp vorgezeichnet, und tatsächlich ließen nach erfolgtem Abschluss die Angebote nicht lange auf sich warten. Iratxe Ansa ging schließlich nach Basel zu Youri Vámos – wohl nicht zuletzt auch mit der ...

ANSA & BACOVICH/SHAMIR
«DRIFTING OUT/BOLERO»

Statt Musik vom Tonband ein zeitgenössischer Tanzabend mit der Magdeburgischen Philharmonie, so wollte es Ballettdirektor Jörg Mannes. Mit Iratxe Ansas und Igor Bacovichs «Drifting Out» zum ersten Satz aus Henryk Góreckis «Sinfonie der Klagelieder» war das erste Stück gefunden: entstanden 2022 fürs Bern Ballett mit dem Auftrag, sich choreografisch mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen.

Zunächst Stille: Die Tänzer*innen gehen in gleichförmigen Linien über die Bühne, gefangen im Alltagstrott – nur Chiara Amato versucht ihre Mitmenschen wachzurütteln. Plötzlich wird sie bedrängt, bedrohlich schiebt sich der Kontrabass in die Stille. Amato wird umkreist, ihr Tanz kündet von Vorahnung und Sorge. Ansas und Bacovichs Bewegungssprache ist fließend, vom Atem getragen und schwer zugleich. Mehr und mehr Streicher fügen sich ins Lento. Körperkonstellationen entstehen und zerfließen. Nach der «Marienklage», gesungen von Sopranistin Anna Malesza-Kutny, baut sich die Musik fast unmerklich wieder ab. Treibende und getriebene Tänzer*innen lassen die Oberkörper weit kreisen. Weiße Wände, die das sterile Bühnenbild von Till Kuhnert begrenzen, rücken ...

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Tanz April 2026
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Hartmut Regitz

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