Newcomerin: Marion Motin
Wusch – und schon ist die Choreografin vorbeigedüst: mit wehenden Haaren und ein paar Sätzen auf den Lippen, die sie der hinterher sausenden Assistentin zuruft. Eine Stunde vor Premierenbeginn am Münchner Prinzregententheater kommt Marion Motin auf einem E-Roller angebraust. Sie arbeitet zum ersten Mal mit einer deutschen Ballettkompanie, für eine Uraufführung hat die Zeit nicht gereicht. Also präsentiert die Französin einen Ausschnitt aus «Le Grand Sot» von 2021, als Finale des «Sphären 0.1»-Abends, den Marco Goecke kuratiert hat.
Ein Dutzend Tänzer*innen des Bayerischen Staatsballetts malochen sich in Strandläufer-Montur durchs kollektive Workout – Soundtrack: Maurice Ravels «Boléro». Erst werden nur Gesäßmuskeln mobilisiert, dann Arme, Oberkörper, schließlich die Beine, die wie Marathonwerkzeuge präsentiert und durch 360°-Wendungen geschleust werden. Natürlich geht das alles hochpräzise vor sich – und ist so erschöpfend, dass man einige der Protagonist*innen tags zuvor nach der Durchlaufprobe hat schlafen sehen, ausgestreckt auf zwei Couchen vor dem Probensaal im Balletthaus, wo die Kompanie residiert. Eine halbe Stunde später rief Motin zur Korrekturprobe. «Et sash, sash, ...
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Tanz August-September 2023
Rubrik: Side step, Seite 22
von Dorion Weickmann
Bevor sich der Vorhang öffnet, treten zwei Paare zum Schlussapplaus heraus – Signal für: Achtung, hier wird gleich seitenverkehrt gespielt. In der Tat zäumt Demis Volpi seine am Düsseldorfer Opernhaus uraufgeführte «Giselle«-Version zeitlich von hinten auf. Die Ausgangsposition ist ein xbeliebiges Theater, an dem gerade eine x-beliebige Inszenierung des Klassikers...
Lara Barsacq stammt aus einer illustren Familie: Ihr Großvater war Regisseur und Theaterdirektor André Barsacq (1909 – 1973), ihr Urgroßonkel der Maler, Kostüm- und Bühnenbildner Leon Bakst (1866 – 1924). Ein Plakat mit dessen Porträt von Ida Rubinstein hing im Haus der Familie, und die Freiheit und Sinnlichkeit der tanzenden Exotin beeindruckten die junge Lara...
«Das Tanzkunstwerk hat seine Zeit, nicht anders als der Tänzer selber der Zeitspanne verhaftet ist, die es ihm gestattet, sich seines Körpers als Instrument souverän zu bedienen. Das ist das tänzerische Schicksal. Wir alle haben es erfahren und anerkennen müssen. Und doch geschieht nichts umsonst. Alles Gelebte und aus dem Erlebten Gestaltete erhält und erfüllt...
