Neumeier über Nijinsky

Annette von Wangenheim im Gespräch mit John Neumeier, dem Intendanten des Hamburg Ballett und Nijinsky-Sammler, der in der Hamburger Kunsthalle den Künstler Nijinsky vorstellt

Tanz - Logo

John Neumeier, Sie sind der Choreograf, der sich am längsten und intensivsten mit dem Werk von Vaslav Nijinsky befasst hat. Sie haben sogar die größte Nijinsky-Kollektion aufgebaut. Warum eigentlich?
Eine Antwort auf die Frage nach dem Warum würde bedeuten, dass ich das absichtlich gemacht habe. Es ist auch nicht so, dass ich eines Tages die Ambition hatte, die größte Nijinsky-Sammlung der Welt aufzubauen, sondern es fing sehr sehr einfach an. So lange ich denken kann, hat mich Tanz fasziniert, selbst wenn ich zu der Zeit noch gar nicht genau wusste, was Tanz war.

Im Alter von zehn oder elf Jahren lieh ich mir in einer Bibliothek in Milwaukee ein Buch aus: «The Tragedy of Nijinsky». Das hat mich nicht mehr losgelassen! Mit diesem Buch öffnete sich für mich ein Weg in eine magische Welt. Denn da habe ich über einen Menschen gelesen, einen Menschen, der tanzt. Das Buch bot mir einen Blick in sein Leben. So fing es an, dann habe ich versucht, mehr und mehr über ihn zu erfahren. Es war also damals nicht so sehr die Idee zu sammeln, sondern der Wunsch nach mehr Wissen.

Sammeln Sie als Choreograf anders als andere Sammler?                            Wahrscheinlich. Ich weiß nicht, ob das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2009
Rubrik: Vaslav Nijinsky, Seite 14
von Annette von Wangenheim

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brief vom Faun

Choreografen, Ihr benutzt mich, als wär ich Euer Liebhaber. Und zärtlich seid Ihr zu Eurem Faun ja auch nicht. Tero Saarinen, der Finne, beschießt mich mit Videos. Anna Ventura, die Katalanin, pflanzt mich auf einen Eisblock. Bernardo Montet macht aus mir ein Reptil. Bei Jean-Claude Gallotta musste ich Bart tragen. Hat man als himmlischer Hirte der Natur nicht...

Manolo Marín

Sie wuchsen in der Franco-Zeit auf und gehören wie Antonio Gades, Mario Maya und Cristina Hoyos zu einer Generation, die in den 1970er und 80er Jahren den traditionellen Flamenco entscheidend modernisiert haben. Bei Ihnen blieb der Flamenco ein spezifisch spanischer, eben andalusischer Tanz. Können ausländische Tänzer denn überhaupt die gleiche Ausdrucksfähigkeit...

Gestorben

Eva Evdokimova tanzte die Giselle voll erlesener Poesie, formvollendet, hochmusikalisch, leichtfüßig und bei aller Fragilität von einer Fraulichkeit, als hätte der Geist der Romantik von ihrem Körper Besitz ergriffen. So debütierte 1970 die Genfer Tochter eines bulgarischen Vaters und einer amerikanischen Mutter 22-jährig an der Deutschen Oper in Berlin. Nur zwei...