Nein Sager
Wir befinden uns in der Aufwärmphase. Der Barmann packt die Gläser aus, der Koch rührt im großen Topf. Die Darsteller und ihr Team wuseln durch die Gegend. Die Zuschauer-Gäste stehen rum in der großen Kampnagel-Halle, in deren Mitte eine imposante Kartonmauer ansteigt. Zu beiden Seiten fallen Sitzreihen ab in zwei Spielflächen: kahl und hell die eine, exotisch-geheimnisvoll die andere. Wie einst die chinesische Mauer feindliche Übergriffe abwehren sollte, hält auch diese Mauer die Tradition, den Feind der Modernisierung seit dem Boxeraufstand in der Mitte des 19.
Jahrhunderts, auf Distanz. «Helfen Sie uns», sagt einer der Darsteller, der in regelmäßigen Abständen vor ein Mikrofon tritt, um «den Plan zu erfüllen». Es herrscht eine entspannte Atmosphäre wie früher in den Wohnzimmer-Landschaften von Showcase Beat Le Mot, doch diesmal ist auch die Atmosphäre genau berechnet im großen Plan. Im Fünf-Minuten-Takt erfolgen Ansagen – «Die Suppe ist fertig» –, und nach exakt zwanzig Minuten beginnt auf der kühlen weißen Bühne die heiße Phase des Abends. Die vier Darsteller in der blauen Einheitskluft des Arbeiter- und Bauernstaats verbinden Exerzierschritte und Akklamationen, Arbeitsgriffe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Schock saß tief, und er wirkt nach. Zwei Belgier lösten den größten Pariser Kulturzoff der letzten Jahre aus, als im Théâtre de la Ville Jan Fabre seine Tänzerinnen auf der Bühne urinieren ließ («The Crying Body») und gleich danach in «Sonic Boom» von Wim Vandekeybus ein Akteur damit drohte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Sinn und Inhalt der Stücke wollte...
Ausdruckstanz, der neue Modetrend an der Seine? Nach Mary Wigman und Dore Hoyer (mit Susanne Linke an der Opéra, ballet-tanz 03/05) bittet das Théâtre national de Chaillot zum choralen Tanztheater, mit Stücken von Jean Weidt und Deryk Mendel. Lumpen und Loden in Grau oder Erdtönen anstatt fashion victims. Die Idee, Jean bzw. Hans Weidts «Alte Menschen, alte Eisen»...
Zehn Jahre nach Gründung des DansArt-Zentrums in Bielefeld, seit Sommer 2002 auch überregional bekannt als Tanzfestival Bielefeld, steht die kleine Workshop-Keimzelle nun vor dem Sprung in ein eigenes Tanzzentrum mit vier Studios und einer Tanzbühne für 199 Zuschauer. Auf 1400 Quadratmetern soll ab 16. September eine Mischung aus Tanzkursen, Workshops, Aufführungen...
