Nachrufe
Er war einer der hartnäckigsten Menschen, die mir je begegnet sind. Der hartnäckigste der Schweizer Tanzszene, der Zürcher ohnehin. Was wird sie jetzt ohne ihn tun? Wolfgang Johannes Brunner ist 75-jährig seinem Krebsleiden am 5. Januar erlegen.
Damit hat Zürich einen unermüdlichen Streiter für die Sache der Tanzschaffenden verloren und einen Mann, der zur Stadtkultur gehörte wie die kulturellen Institutionen selbst: Wo getanzt wurde, war auch Wolfgang Brunner und verkaufte die von ihm gegründete und während Jahren betreute Zeitschrift «Der Tanz der Dinge» – oder er verschenkte sie, wenn sie niemand kaufen wollte. Wo diskutiert wurde, saß er in der ersten Reihe und bezog Stellung. Wo er ein spannendes Projekt erkannte, setzte er sich daran, es zu verwirklichen – koste es, was es wolle.
Wolfgang J. Brunner war eine Institution – und hat stets gegen jene Institutionen rebelliert, die ihre Daseinsberechtigung nur aufgrund ihrer Institutionalität verfochten. Doch er ist in ihnen groß geworden. Der am 22. Februar 1930 geborene Wolfgang Brunner war Tänzer im Basler Ballett, bei den Ballets de Paris von Roland Petit, im London Festival Ballet und im Grand Ballet de Marquis de Cuevas. Er war Ballettmeister in Lübeck, leitete eine Tanzschule in Zürich, schuf verschiedene Choreografien, bevor er sich in den frühen 1960er Jahren aus dem Tänzerberuf zurückzog und mit Antiquitäten zu handeln begann.
Fast zwanzig Jahre später kam er zurück. Und wie. Wolfgang J. Brunner war der Motor der neuen Tanzbewegung der 1980er Jahre und gleichzeitig auch ihr Straßenbauer. Er gründete die Interessengemeinschaft Tanz Zürich, Festivals und seine Zeitschrift, die, so lang er sie führte, eine wichtige Rolle in der Vernetzung der Szene spielte. Er kämpfte für Auftrittsmöglichkeiten, war eine Weile lang in der Leitung des Tanzhauses Wasserwerk und in der städtischen Tanzkommission. Später gründete er den Verein Pro Tanz, der seit 2002 den Schweizer Tanz- und Choreografiepreis vergibt. Und in den letzten Jahren mischte er auch im neu erwachten Dada-Haus mit.
Wann immer wir uns begegneten, erzählte er mir von einem neuen Projekt, auch wenn er zunehmend kleiner und dünner wurde. Die Ideen schienen ihm nie auszugehen – er hatte dieses Feuer, diese Leidenschaft in sich, die eben nur den Künstlern unter den Menschen eigen ist.
Alles Fordernde lag ihr fern. Was immer Regina Neuffer choreografierte: es waren keine Leitartikel, eher kleine Geschichten, wie sie das Leben schreibt. «Zeitungsausschnitte» hieß 1989 eine ihrer kurzweiligsten Arbeiten. Eine andere nannte die Stuttgarterin, noch im Nonsens ausgewählter Schwitters-Texte Sinn und Sinnlichkeit erspürend, «Das Weib entzückt durch seine Beine». Beide schuf Regina Neuffer für «das andere Ballett», das Telos-Tanztheater in Stuttgart, dem sie zeitlebens verbunden blieb.Ende der 1960er Jahre wurde die Spätberufene dort von Ursula Bischoff-Mußhake als Tänzerin ausgebildet. Dahin kehrte sie immer wieder zurück, um Stücke wie «Drei Porträts mit Gegenständen», «Circles», «... und es regnet mir in die Augen» oder «Marina» mit hörenden wie hörgeschädigten Tänzern zu entwickeln. Zwischenzeitlich führte sie ein erstes Engagement zu John Taras und Gert Reinholm an die Deutsche Oper Berlin, ein zweites unter so unterschiedlichen Direktoren wie Dragutin Boldin, Irene Schneider, Johann Kresnik und Liz King 18 Jahre lang ans Theater der Stadt Heidelberg: alles Choreografen, die ihre Bewegungskunst nachhaltig geprägt haben, ohne ihre Eigenart jemals zu verstellen. Regina Neuffer blieb sich immer treu. Bis zuletzt verstand die Regisseurin Tanz als eine Sprache, mit der man selbst dann noch kommunizieren kann, wenn einem das Wort fehlt. Der Rest ist jetzt Schweigen. Am 23. Dezember ist Regina Neuffer in Stuttgart gestorben.
Dance historian, critic, and educator Selma Jeanne Cohen died on 23 December after suffering from Alzheimer’s for several years. She is known for her books on historical subjects and on modern dance (“The Modern Dance: Seven Statements of Belief,“ “Doris Humphrey: An Artist First,“ and her dance history reader “Dance As a Theatre Art);“ for the landmark monographs she published as cofounder and, for 10 years, the sole editor of Dance Perspectives; for her persistence as the founding editor of the ambitious multivolume “International Encyclopedia of Dance“ (a project that took 20 years to realize); for her founding of the Dance Critics Conference at the American Dance Festival; and for her unflagging efforts worldwide on behalf of dance history as an intellectual subject on the graduate level. However, it might be argued that her real love, going back to her writings of the 1960s, was dance aesthetics, which served as the focus of her last volume, a meditation called “This Week, Swan Lake.“ A graduate of the University of Chicago, from which she earned a Ph.D. in English in 1946, Cohen moved to New York permanently in 1953, where she served as a dance critic at several publications.
Charles France — a writer on the ballet and, for a decade, the right-hand man for Mikhail Baryshnikov at American Ballet Theatre, when Baryshnikov served as its artistic director — died of unidentified causes on Christmas Day at his home in Manhattan. Although he had suffered from several ailments since being forcibly sidelined from his ABT position in 1989 by the company’s then-newly appointed executive director, Jane Hermann, throughout the past decade and a-half France could often be seen at performances of ABT, the New York City Ballet, and visiting ballet companies from abroad. As New York Times dance critic Jennifer Dunning wrote of him in an obituary, he “was widely recognized as a brilliant, astute artistic advisor who did not suffer disagreement gladly ... But he helped shape careers of prominent dancers and administrators.”
France (photo below © Catherine Nance) edited two books on Baryshnikov (“Baryshnikov at Work“ and “Baryshnikov in Color);“ he also wrote on various ballet subjects for the quarterly Ballet Review. Born in Oklahoma City, he studied as a child at the school of the Royal Danish Ballet and earned a B.A. from Columbia University; after graduation, he studied French at various institutions of higher learning, including the Sorbonne.
Tanz Februar 2006
Rubrik: Transitions, Seite 28
von Lilo Weber, Hartmut Regitz, Mindy Aloff
Walking on the streets of Kyoto I bump into a group of girls all dressed in the same style – mini skirt, tall high heel boots, hair dyed blonde (all exactly the same color) and wearing t-shirts that say “Fuck cool” or “You think I’m hot wait to see me riding my bike.” The girls were dancing to the sound of a boom box (the politically correct term for ghetto blaster). With a very absent...
Martin Butler expresses his fascination for lovers‘ tendency to develop the same habits, make the same gestures, have the same way of dressing and talking. Mirrorwise. On stage a number of framed transparent screens on wheels are, of course, functioning as mirrors. The dancers Mariangela Tinelli and Gaia Gonnelli are dressed in shiny, skin-tight costumes. While one of them studies...
Je mehr Pina Bausch aus dem Bild der öffentlichen Meinung zu verschwinden droht, desto insistenter muss "Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft" bleiben.
Unter diesem Titel veröffentlichte Rika Schulze-Reuber nach dreißig Jahren Bauschverehrung jetzt ihre Zuschauer-Erfahrung von "Frühlingsopfer" 1975 bis "Rough Cut" 2005.240 Seiten lang erzählt sie die Motive der Stücke...
