Nach Cranko
Noch bevor das Ballett richtig beginnt, stellt Christian Spuck klar, was er mit seinem «Sandmann» will: keine «Coppélia» à la Cranko, sondern Hoffmanns Erzählung, zur Gänze getanzt. Wie im literarischen Original sieht sich Nathanael mit seiner Kindheit konfrontiert. Und diese Fixierung auf die frühe Jugend ist es letztlich, die sein weiteres Los bestimmt. Er kommt aus ihr nicht frei. Wie eine Wahnvorstellung bricht immer wieder die Erinnerung über ihn herein.
Ängste steigen hoch, Albträume, Assoziationen – und vor Schreck erstarrt erlebt er als kleiner Junge, am elterlichen Tisch sitzend, visionär eine verletzende Vergangenheit.
Eine Szene, wie einer Zeichnung Kafkas nachempfunden. Spuck schiebt sie als Rückblende ein und macht so «Das Unheimliche» manifest, von dem Sigmund Freud in Anlehnung an das Nachtstück von E. T. A. Hoffmann im gleichnamigen Aufsatz spricht. Gleichzeitig schafft er sich die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Bewusstseinsebenen virtuos hin- und herzuschalten und erzeugt so eine Wechselspannung, die das Ballett elektrisiert: Voller Hoffnung an der Seite seiner schönen Verlobten, verliert sich Nathanael wieder in der eigenen Kindheit: Denn wer ist dieser ...
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