Mensch, Maschine, Magie

Die VR-Produktion «kinesphere» am Staatstheater Augsburg.

Sonnenlicht bricht sich in dem pfeilergestützten, kellerartigen Raum, der von futuristisch anmutender Musik erfüllt ist – klassische Zitate, untermalt von pulsierendem Piepen, surrealem Sirren und drängenden Dissonanzen. Sechzehn Tänzerinnen und Tänzer stehen teils versteckt hinter den Pfeilern, teils laufen sie in Paaren ein, dehnen breitbeinig ihre Arme, kreisen mit den Hüften. Ihre Körper scheinen choreografische Botschaften zu formulieren und gruppieren sich um eine Person, die Ausschau hält, aber wie schützend gemeinsam niedergedrückt wird.

Schließlich wird sie am Ende dieser ersten Sektion von «kinesphere» – «Underground» betitelt – mitgeschleift. Die Musik für das vierteilige Stück stammt vom Klangkünstler Lilijan Waworka. Sie schwingt durch das noch unrenovierte Reinigerhaus des Augsburger Gaswerks – eine beeindruckende Location, die wie die Ruine einer Kathedrale anmutet. Über drei Geschosse erstreckt sich hier eine großartige, lichtdurchflutete Architektur in Skelettbauweise aus der späten Gründerzeit: das ebenerdige Grundgeschoss, darüber die Halle, in der früher die Reinigerkästen standen, sowie die eindrucksvolle Dachkonstruktion. Das Industriegebäude wurde zwischen ...

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Tanz Oktober 2021
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 52
von Eva Maria Fischer

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