Mei Hong Lin: "VergissMeinNicht"

Darmstadt

Tanz - Logo

Ach, wie die Zeit vergeht! Bei Federico García Lorca sollen das wechselnde weibliche Kleidermoden verdeutlichen und das wiederholt zitierte Gedicht von einer Rose, die Farbe und Festigkeit wechselt, bis sie vergeht. Die Hauptfigur im Drama «Doña Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen» (ca. 1935) ist so ein Blümchen. Ihr Bienerich schnüffelt an ihr und macht sich fort – Arbeit, Arbeit. Verspricht wiederzukommen, die Heirat, sie glaubt, sie wartet. 26 Jahre, dann hat er eine andere, und sie hat keinen. Irgendwie hat sie es geahnt und auch so gewollt, das ist Doña Rosita.

Mei Hong Lin bebildert dieses Drama der Zurückhaltung als «VergissMeinNicht» («frei nach Motiven») und erfindet eine Erklärung für Rositas Verzicht. Schiebt  den 1936 erschossenen homosexuellen Dichter selbst auf die Bühne. Gleich zu Beginn wird der Kerl  ermordet und geistert fortan mit kalkweißem Gesicht und rotgeränderten Augen durchs Stück herum wie der personifizierte Trübsinn oder zieht Rosita, seine Züchtung, in ein langsames Duett von Stützen und Gleiten. Ein Kontakt ohne Blicke, doch hautnah. Einmal tanzen sie mit einem Spiegel, suchen sich selbst oder den anderen und erkennen doch nichts – schönes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2007
Rubrik: Der Kalender, Seite 46
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Göhre und Soto: "Ein neuer Sommernachtstraum"

Dass junge Choreografen alte Vorlagen ändern, ist ihr gutes Recht. In Schwerin tun das Annett Göhre und Cayetano Soto gleich in zweierlei Hinsicht. Ihr Gasteinstand «Ein neuer Sommernachtstraum» beruft sich zwar im Titel auf Tom Schillings Uraufführung für sein Tanztheater der Komischen Oper von 1981 und nutzt auch, nach eigener Aussage leicht umgestellt, Georg...

George Blanchine and Tilly Losch

Just as Bach’s music brings out the best in choreographers, Balanchine’s life and work do so in biographers and critics. Robert Gottlieb – well known American book and magazine editor and, lately, dance reviewer – has written a compact account of the master choreographer’s life: George Balanchine – The Ballet  Maker. In the book’s 216 pages, there’s room too for...

Ich bin der Einzige, der sagt, was er denkt

Eigentlich gibt er keine Interviews mehr. Auf Kritiker ist Johann Kresnik nicht gut zu sprechen. Ungeheuerlich sei das alles, «was ihr da schreibt», schimpft er und nimmt seine Gesprächspartnerin gleich mit ins Gebet. Deshalb lese er auch seit Jahren keine Kritiken mehr.

Ja, die Medien meinen es in jüngster Zeit besonders schlecht mit ihm. Und an den Bonner Bühnen,...