Mannheim: Stephan Thoss «My Island»
Sind das Tagträumer, die dem Corona-Einerlei entfliehen wollen? Sehnt sich die junge Frau in einen grünen Dschungel, sieht sie sich selbst als geschmeidiges Tier? Warum will die andere unbedingt ein – nur eingebildetes – Date von sich überzeugen? Und was glauben die beiden im Glitzerbody, wo sie sind? Hinter ihnen scheinen nur ein paar Sonnenstrahlen durch ein dichtes Blätterdach zu dringen. Sie halten Abstand zueinander, aber ihre Bewegungen spiegeln sich, so gehen sie aufeinander ein.
Stephan Thoss, Tanzintendant am Mannheimer Nationaltheater, hat kurz vor dem zweiten Lockdown noch den eineinviertelstündigen Abend «My Island» zur Premiere gebracht: überwiegend Soli, nah zusammen kommen nur Tänzer, die sowieso in einem Haushalt leben.
«My Island» ist trotz schwieriger Entstehungsbedingungen abwechslungsreich geworden. Denn Thoss lässt jede und jeden in insgesamt 16 Szenen Persönlichkeit zeigen, auch eigene Bewegungsnuancen und -färbungen ausspielen. So biegt sich die Schlangen-Tänzerin, als gäbe es kaum Knochen in ihrem Körper. So wirbelt ein Tänzer überwiegend bodennah, zitiert Elemente des Breakdance. Drei Tänzer bleiben hinter Tischen, weshalb vor allem Oberkörper und Arme ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Dezember 2020
Rubrik: Kritik, Seite 32
von Sylvia Staude
On point: 100 jahre rad
1954 trat ein Trainingszentrum für Hochspringer an die Royal Academy of Dance (RAD) heran. Die Athleten suchten nach Möglichkeiten, ihre Leistung zu optimieren – und landeten folgerichtig bei der Tanzpädagogik, die sich seitjeher mit dem Ausbau der Elevation beschäftigt. Der sportive Flirt mündete in ein kurioses Brevier namens «Ballet...
Eine kleine Bombe zündete der ehemalige Stuttgarter Ballettintendant Reid Anderson bei der offiziellen Eröffnung der neuen John Cranko Schule Ende September (tanz 8-9/20): Er verkündete die Existenz einer John-Cranko-Stiftung und dass die ihr zufließenden Erlöse künftig an die Ballettschule gehen sollen. Die Rechte an Crankos Werken liegen bei Andersons...
Henrietta Horn, Sie sind selbst Choreografin und neuerdings auch mit der Einstudierung des «Grünen Tischs» von Kurt Jooss befasst – 1932 uraufgeführt, ist dieses «Antikriegsballett» von ungebrochen großer Bedeutung. Jooss gehörte zu den Mitbegründern der heutigen Folkwang-Universität und kehrte 1949 aus dem britischen Exil zurück, um neuerlich die Tanzabteilung zu...
