lüneburg: olaf schmidt «orestie»
Wer sein Kind ermordet, um es für das Kriegsgeschäft in einer Wette auf das Wetter zu opfern, wie es Agamemnon tat, 2500 Jahre alter Antiheld des Bestsellerautors Aischylos, der das Blut seiner Tochter Iphigenie gegen Nordwind tauschte, ist ein echter Idiot. Lüneburgs Tanzchef Olaf Schmidt besetzt ihn trotzdem mit einem Heldenkörper, Wallace Jones. Dessen Tod markiert den Anfang einer langen Fememord-Orgie, bis irgendwann der Sohn Orest sich nicht weiter rächen will und sein Schicksal den staatlichen Rechtsorganen überlässt.
So endet die antike Trilogie, punktgenau, mit dem Beginn der Athener Demokratie. Ab jetzt wird Recht gesprochen: und zwar, das ist der Witz, ausgerechnet durch die Rachegeister, die auch heute eine kanzlerkritische Volksmeinung vertreten. Diese volksverhetzenden Erinnyen, so Aischylos, sollen sich in Eumeniden, in Wohlmeinende, verwandeln. Das ist der wahre Fluch der Atriden: Wie kann man Volkes dumpfe Stimme ins Recht zurückholen?
In einem bloß zehnköpfigen Ensemble kriechen bis zu acht Erinnyen, jene Rachegeister des Volkes, wie Getier unter dem Tisch des Agamemnon hervor und stacheln als Schwarm oder wie ein Virus menschliche Rachegelüste an, indem sie die ...
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Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Arnd Wesemann
biografien: claire bauroff
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