Liebhaben
Giselle, da steht sie, bildschön, vor dem Vorhang, Grabblumen zu Füßen, ein trauernder Albrecht spielt die Klarinette. Ihr Gesicht glänzt wachsweich. Ihren Kopf hält sie nach hinten gebeugt, den Mund leicht geöffnet. Ein weißes Laken spannt sich über ihren atemlosen Körper. Eine Puppe, eine Schaufensterpuppe, das denken alle im modernen Bau der Teatros del Canal in Madrid, bei dieser Premiere mit maskiertem Publikum auf vollen Sitzreihen – nur jeder dritte Platz im Theater ist gesperrt. Die Puppe stellt Giselle dar, ganz sicher, denn es ist die Premiere von «Giselle».
Da reißt der Klarinettist, ganz Mann, dieser Puppe das weiße Laken vom Leib. Und alle sehen – Giselle nackt. An Giulia Russos gespannten Beinen ist deutlich zu erkennen, was sie ist: eine mit flacher Atemtechnik gesegnete Tänzerin, todesstarr, von den Wilis verflucht. Die alte Geschichte also, die der Librettist Théophile Gautier und die Choreografen Jean Coralli und Jules Perrot 1841 erzählt haben, und die seither nicht mehr sterben kann, sondern wieder und wieder aufersteht.
Mindestens seit der legendären Neuinterpretation von Mats Ek 1982 weiß man, wie gut dieser Stoff geeignet ist, um den jeweiligen Zeitgeist zu ...
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Tanz Februar 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Arnd Wesemann
Deutschland
Augsburg
Theater Im Pay-per-View-Verfahren können orts- und zeitunabhängig Aufzeichnungen von Inszenierungen angesehen werden, auch das Ballett «Winterreise» von Ricardo Fernando zu Musik von Franz Schubert (tanz 12/20): www.staatstheater-augsburg.de/mediathek
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Haus der Berliner Festspiele In «INFINI 1–17» erforscht der belgische Szenograf Jozef...
Screening
Wolfstänze
Lange hat das Staatstheater Nürnberg Ballett gehofft, dieses Projekt auf die Opernbühne bringen zu können. Zuletzt ist es geglückt – aber ohne Publikum. Dafür hat Ballettchef Goyo Montero aus Sergei Prokofjews 1936 entstandenem musikalischen Märchen «Peter und der Wolf» einen ganz und gar gegenwartsbezogenen Tanzfilm gemacht. «Über den Wolf»,...
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