lieber im flur
«Ich bin ganz müde, ich kann nicht mehr», sagt Momo. Seit fast einer Stunde wartet er mit umgehängter E-Gitarre auf seinen Auftritt. Eigentlich ist klar, vor sieben Uhr wird niemand kommen. Er könnte sich also zu den anderen auf den Boden setzen. Aber er ist viel zu aufgeregt, genauso wie Ibo, der vor der Hammondorgel steht, immer mal wieder dröhnend auf die Tasten haut und erwartungsvoll auf die Flügeltüren schaut, durch die seine Partygäste strömen sollen.
«Ich heiße Momo und bin zwölf Jahre alt», sagt Momo ins Mikrofon, als die Türen endlich aufgehen und gut vierzig Menschen in den Saal strömen. Er zupft ein wenig an den Saiten. Dann ist Ibo dran, der vor lauter Aufregung sein Spiel auf die Hälfte verkürzt, aber für die Zuschauer freundlich weiterwinkt, damit sie an ihm vorbei in den schmalen Flur marschieren, in dem Maissa singt und Kautar trommelt, dann Can mit dem Mund knallende Rap-Rhythmen produziert und am Ende die Zwillinge Sumaya und Rukaya mit Eman zum Sound aus ihrem Handy einen Popsong singen.
Sich vor Publikum in den großen Saal zu stellen, das haben sich diese sechs nicht getraut. Deswegen sitzen und stehen sie ein wenig versteckt in den Nischen und Nebenaufgängen ...
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