Letters from Tentland

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Die Geschichte geschieht, kurz bevor Mahmoud Ahmadinedschad 2005 der sechste Präsident des Iran wird. Damals arbeite ich in Brasilien und erhalte die Einladung, in Iran einen Workshop zu geben. Es ist seltsam, in Brasilien über Iran nachzudenken. Hier überall freigelegte Haut und tanzende Körper; in Iran verhüllte Körper und ein Tanz, der nicht existieren darf.

In Teheran arbeiten alle fieberhaft an Stücken fürs bevorstehende Fadjr Theaterfestival. Mein erster Eindruck: Es gibt im iranischen Theater keinen Körper. Ich frage nach Tanz in Iran, dem Tanzverbot für Frauen.

Tanz heißt hier «rhythmische Bewegung». Weiblicher Sologesang ist verboten, ebenso, dass Mann und Frau sich anfassen, es sei denn die Frau trägt Handschuhe. Ich lerne: Der Erfindungsreichtum bezüglich des Umgangs mit Zensur ist gewaltig.

Das reizt mich. Mit zwölf iranischen Frauen treffe ich mich in einem Probenstudio im siebten Stock. Eine gigantische Fensterfront zeigt auf die 14-Millionen-Metropole. Von Männern ungestört «schreiben» wir Briefe mit Tanz, Briefe an Sittenwächter, an Gott («God, please come back from holiday»), und ich lerne: Der berüchtigte Tschador der Frau ist homonym für Zelt. Zelte stehen ...

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Tanz März 2023
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Helena Waldmann

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