Lemi Ponifasio

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«Alt» ist ein Wort, das der samoanische Choreograf Lemi Ponifasio im Zusammenhang mit seiner Arbeit nicht akzeptieren mag. Denn so lange es die traditionellen samoanischen Tänze auch schon geben mag, die er in seinen Tanzstücken verwendet: Der Kontext, in die er sie stellt, ist radikal zeitgenössisch. Es gehe ihm um das «Menschsein» oder vielmehr um das «Sein», um die Erfahrungen jenseits des Bewusstseins, sagt Ponifasio, der in seiner Heimat ein Sala, eine Art Schamane und Stammesfürst, ist.

Und genau das stellt er auf wundersame Weise her in seinen minimalistischen Tanzmeditationen, die sehr poetisch und gleichzeitig sehr politisch sind.

Wie in «Birds with Skymirrors», das bei «Theater der Welt» im Essener Grillo-Theater uraufgeführt wurde. Ein nur wenige Sekunden währender Videoclip eines ölverseuchten Vogels reicht, immer wieder kurz und blitzlichtartig gezeigt, um dem Treiben auf der Bühne, den kurzen Trippelschritten, den verhaltenen Bewegungen, einen Rahmen zu geben. Menschliche Körper, die sich in Vögel zu verwandeln scheinen, Versammlungen abhalten, eine Gegenkraft zu mobilisieren versuchen. Am Ende ist beides gleich stark, die verzweifelte Not und die Friedensgesten, das ...

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Tanz Jahrbuch 2010
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 138
von Michaela Schlagenwerth

Vergriffen
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