Kuss der Kulturen
Den Traditionalisten wird es wie ein Sakrileg erscheinen. «Sarab», die neue, im tanzhaus nrw uraufgeführte Choreografie von Montse Sánchez für Increpación Danza aus Barcelona, verzichtet auf alles, was zum Flamenco gehört: Gitarren, Life-Gesang, fast sogar auf das Stakkato stampfender Tritte. Aus den Lautsprechern dringt bei den 1993 gegründeten Erneuerern des Flamenco arabische Musik. Denn sie unternahmen eine Reise nach Marokko und präsentieren in «Sarab» – zu Deutsch etwa: «Fata Morgana» oder «Trugbild» – die Eindrücke dieser Begegnung.
Die Bühne ist von einem durchsichtigen Vorhang zweigeteilt in eine männliche und eine weibliche Welt. Hinter dem Vorhang befindet sich, leicht verunklart, das Reich der Frauen, für das fünf Tänzerinnen stehen, die in weite arabische Gewänder gehüllt barfuß tanzen und die arabische Musik mit Schlägen auf ihren Tamburins akzentuieren. Der schmale Raum vor dem Vorhang bleibt zwei Männern vorbehalten; einer der beiden trägt ein Trikot des FC Barcelona. Ihre Bewegungen aus anrempelnden Turnereien und Breakdance-Anklängen wirken zunächst tölpelhaft, aber wenigstens einer der beiden Männer legt sich bald mit stampfenden Flamenco-Schritten eine ...
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