kunst der masse
Wo liegt die Nahtstelle, an der Choreografie in Tanz übergeht? Gibt es sie überhaupt? Und wenn ja, welche Farbe hat sie? Joanne Leighton versucht es mit rotem Klebeband. Im Straßburger Musée d’Art Moderne et Contemporain markiert sie damit vier Linien, die das Publikum bitte nicht überschreiten möge. Täte es dies, so würde es nicht nur die Bewegungsfreiheit der 99 Mitwirkenden einengen. Es entstünde Konfusion. Niemand könnte mehr unterscheiden, wer zum Kurzzeit-Ensemble aus Bürgern gehört, wer nur zum Zuschauen gekommen ist.
Joanne Leighton lässt für ihre Performance unter dem Titel «Made in …» keine Kostüme anfertigen und gibt auch keinen Dresscode vor, keine Mindestgröße, kein Höchstalter und keine Glatzengrenze. Jeder tritt so auf, wie er oder sie hinterher nach Hause geht. So entsteht keine Uniformität innerhalb der Gruppe, sondern eine natürliche Verbindung zwischen den Performern und dem Publikum. Letzteres gehört für sie ganz direkt zur Absicht, und zwar gerade weil die Zuschauer brav vor der roten Linie stehen bleiben. Trotzdem bezeichnet Joanne Leighton sie als «Autoren des Raums, in dem die Choreografie abläuft». Die 99 so Umstandenen tun also nichts anderes als das ...
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