Krokodile sind länger als grün

Ohne eine Krokodilsträne: Sigrid Gareis

Tanz - Logo

Was nicht zu beweisen ist. Denn es stimmt. Ebenso, dass in acht Jahren aus dem Tanzquartier Wien, tqw genannt, das Modell eines Anti-Theaters entstand, von dem sich stimmig sagen lässt: «Tanz ist denkbarer als schön». Schuld daran ist Sigrid Gareis, die sich vom 24. bis zum 26. Juni mit Schlachtplatte, einem Buch und einer heftigen Party ins Leben einer Solistin verabschiedet. Acht Jahre lang hat sie im Team – altbacken gesprochen – ein Zentrum des Konzepttanzes aufgebaut, wäre dieses Schmähwort unter ihrer Ägide nicht still verblüht.

«Theorie, Performance, Training» statt Auslastungszahlen und Mega-Events – nur der Essener PACT Zollverein betreibt ein ähnliches, doch großstadtfernes Konzept. Durch die zentrale Lage im Wiener Museumsquartier war das Publikum immer nah, als Tanz und Performance hier zu Geschwistern wurden. Jede intellektuell denkbare Frage tröpfelte in die Tanzkunst hinein. Der Körper, das Sein, der Schein, die Bewegung – nichts entkam dem Labor, seinem Diskurs, seinen Analysen. Tanz wurde überfrachtet mit Denkarten. Zugleich warf das tqw Produktionszwänge, Gewinne und sonstiges «kapitalistisches Vokabular» über Bord, um von Estland bis Zagreb, von Lissabon bis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Magazin, Seite 26
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Carolyn Carlson, Tero Saarinen: «Blue Lady (Revisited)»

Carolyn Carlsons Soli verdienen regelmäßig Standing Ovations für die Pariser Solo-Königin. Dutzende Stücke schuf sie für sich und gut zwanzig Soli für andere Tanzkünstler. «Man muss sich mit sich selber konfrontieren», sagt sie, «darum Soli». Ein solcher Abend kommt nun auch auf das finnische Kuopio zu, für das exakt vierzig Jahre alte Festival von Jorma Uotinen....

Am Ende der Marktfreiheit

Im letzten Jahr erhielten eine Menge Künstler Post. Absender waren der Fonds Darstellende Künste und das Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI). Sie wollten wissen, wen sie vertreten und für was. 4074 Fragebögen wurden beantwortet zum Zweck der «Datenerhebung zu Arbeits- und Lebensbedingungen der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland». So was hört...

Höfische Festkultur

ist ein Schatz, den der Filmautor und -regisseur Kaspar von Erffa in Potsdam heben will. Denn dort wimmelt es von preußischen Schlössern und Gärten. Nun soll allsommerlich Fritzens alter Glanz und Gloria wieder auferstehen. Feste, höfische Tänze, Maskenbälle, Choreografien zu Pferd, nicht alle Lustbarkeiten sind vergessen. Wenn auch zum Weltkulturerbe nur alte...