Krise als Material

Die Pandemie verunsichert nicht nur große Theater. Wie geht es der freien Szene? Ein Stimmungsbild aus Hamburg.

Eine «Tanz-Rap-Oper» hatte die Hamburger Choreografin Jessica ­Nupen geplant. «The Nose» nach Gogols «Die Nase»: rund 40 Beteiligte, eine eigene Komposition des kanadischen Hip-Hop-Querdenkers Socalled, aufgeführt in der riesigen Halle K6 im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel. Eine ambitionierte Koproduktion von Kampnagel, Cape Town Opera und dem Hessischen Staatstheater Wiesbaden hätte es werden sollen, gefördert unter anderem mit Bundesmitteln. Premiere wäre am 18. März gewesen; fünf Tage zuvor entschied die Hamburger Politik, die Bühnen im Zuge der Corona-Pandemie zu schließen.

Und am 14. März beorderte die Intendanz in Kapstadt die beteiligten Südafrikanerinnen und Südafrikaner zurück nach Hause. 

Der Premierenausfall von «The Nose» ist der Super-GAU für die Hamburger freie Szene. Selbst wenn das Stück bei den Maifestspielen Wiesbaden gezeigt werden könnte, wäre das problematisch: Die Hälfte der Beteiligten ist aktuell nicht in Europa. Nupen hatte geplant, direkt von Hamburg nach Wiesbaden zu reisen, eine Premiere im Mai würde die Kosten explodieren lassen. «Wir denken gerade mehrere Strategien durch», sagt die Choreografin. «Entweder, wir gehen nach Wiesbaden, und auf ...

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Tanz Mai 2020
Rubrik: Corona-Krise, Seite 20
von Falk Schreiber