Korsett

Der Raum ist ein Korsett, sonst hätte man alle Welt zur Verfügung. Es ist der Raum, nicht die Bewegung, der Widerstand erst ermöglicht, die Bewegung not-wendig macht, im Sinn von Tanz.

Tanz - Logo

Was ist mein Raum?

Der Raum ist das Korsett der Befreiung. Ein Raum ist ein Korsett, sonst hätte man alle Welt zur Verfügung. Es ist der Raum, nicht die Bewegung, der zu einer Limitierung, einer Einengung führt, der den Widerstand überhaupt erst ermöglicht, die Bewegung notwendig macht, eben nicht beliebig, sondern not-wendig, im Sinn von Tanz. Aus einer Not, die wendig macht, um die gesetzten Grenzen zu durchbrechen.

Ein Tänzer muss nicht alle Bewegungssprachen beherrschen, ich will nicht wissen, wie viel Vokabularien er kennt, sondern welche Bewegung er beherrschen muss, um in seinem Käfig zu überleben, wobei der Käfig eben kein Allerweltsvokabular verlangt, sondern ein «Nimm‘s oder stirb» herstellt, eine Überlebenskraft, die auch sonst in ganz realen Situationen verlangt, eine ganz präzise Bewegung zu vollführen. Eine, die dich aus der Not rettet. Eine Bewegung ist ohne Raum undenkbar. Das ist Überleben und darum geht es. Wie bringst du es fertig, nicht mundtot gemacht zu werden, nicht gehorchen zu müssen, sondern hinter dem Spiegel hervorzutreten? Dich gegen das Zweidimensional-Gemacht-Werden zu wehren, gegen das Einordnen in Papiere, Vorschriften, Formulare, Regeln, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 56
von Helena Waldmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Raumbrille

Liebe Freunde!
Ich möchte hier in aller Kürze Gesichtspunkte zum «Raum im Theater» zusammentragen und vorschriftswidrig übereinander legen. Das Verständnis vom Raum, wie wir ihn kennen, besteht im Verhältnis unserer Wohnung mit ihren durchaus bekannten Ausmaßen zu den unbekannten. Das eine ist Teil des anderen, wie wir wissen. Wir ertragen das Unbekannte durch das...

Revue

Karl Valentin zum Bühnenmeister des Deutschen Theaters: «Sie sagen immer, die Kulissen san der Hintergrund! Jetzt stehnga mir dahinter – also is des jetzt der Vordergrund! Merken S’Ihnen das, man kann nicht vorsichtig gnug sein mit solchene Behauptungen!»

In ihren ersten Videoarbeiten entdeckte Mariola Groener, was später zentrales Arbeitsprinzip wurde. Als sie...

Aaron S. Watkin

Nach Paul Chalmers durchwachsenem Start als Leipzigs neuer Ballettchef hat sich mit dem Amtsantritt von Aaron S. Watkin diesen August auch in Dresden ein Generationswechsel vollzogen. Der umtriebige Kanadier, dessen Tänzerkarriere im National Ballet of Canada begann und sich beim English National Ballet, bei Het Nationale Ballet, Forsythe und Nacho Duato...