Körper und Kosmos

Mit «Planet [wanderer]» erfinden Damien Jalet und Kohei Nawa ein Ballett neuer Art - dank Kartoffelstärke.

Und wenn es nur dieses eine Bild gäbe in «Planet [wanderer]», es würde völlig ausreichen, damit das neue Epos von Damien Jalet und Kohei Nawa Eingang in die Tanzgeschichte fände. Dabei stecken die Füße der Tänzer*innen im Boden fest, wie angewurzelt. Doch gerade deshalb schweben sie beinahe und täuschen vor, im Grunde Algengewächse zu sein, so leicht, so geschmeidig und frei. Fließende Körper sind es, sagt der Choreograf Damien Jalet. Das kommt seinem Mantra sehr nahe, das besagt, dass der Mensch zwar mehrheitlich aus Flüssigkeit besteht, aber dennoch solide ist.

Neben dieser Einsicht brauchte es aber noch zweierlei für dieses merkwürdige Ballett aus Körpern, die sich wie Regenwürmer krümmen. Erstens steigen die Tänzer*innen mit beiden Beinen in ein Loch im Boden, der ansonsten mit schwarz glitzerndem Granulat bedeckt ist. Die Vertiefungen sind mit einem Gemisch aus Wasser und Bindemittel gefüllt, das angedickt wird, sodass die Knöchel feststecken, und die Körper frei schwingen können, bis sie parallel zum Boden schweben. Zweitens mussten alle, um sich so kringeln zu können, ein wochenlanges Spezialtraining absolvieren, bis ihre Bewegungen den Vorstellungen Jalets entsprachen.

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Tanz Dezember 2021
Rubrik: Produktion, Seite 8
von Thomas hahn

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