Foto: Matthias Viertel

Köln: Overhead Project «Surround»

Demokratie als Kreisbewegung. Als geometrische Figur, in der sich ein ununterbrochenes Wechselspiel zwischen Ballung und Vereinzelung, Konfrontation und Zirkulation, Passivität und Partizipation, Gewaltenteilung und Gewalt vollzieht. Dabei entspinnt sich unaufhörlich jenes Drama, das dem so komplizierten wie störanfälligen «Verhältnis des Menschen zur Herde» eigen ist. Ein Verhältnis, dem Overhead Project mit «Surround» eine faszinierende Inszenierung widmet.

Ein Pauschenpferd hängt von der Bühnendecke.

Ein obskurer Fetisch, der das dramaturgische Zentrum der Inszenierung ebenso markiert wie den drehsymmetrischen Mittelpunkt eines auf den Boden gezeichneten Kreises. Den in aller Ruhe zu umlaufen, wird zu Beginn von «Surround» das Publikum angehalten – eine programmatische wie kontemplative Einstimmung auf die folgenden 60 Minuten.

In denen dann bald zwei Akrobaten (Tim Behren, Florian Patschovsky) und zwei Tänzerinnen (Mijin Kim, Susanne Schneider) in Interaktion treten: eine so gleichmäßig wie dynamisch sich steigernde Konfrontation bis hin zum Spasmus, zum Delirium. Das choreografische Umkreisen und akrobatische Bespielen und Erklimmen des ausschwingenden Pauschenpferdes trägt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 40
von Steffen Georgi

Weitere Beiträge
Vor dem Berliner Tanzolymp

Sein Credo ist mehr als nur ein Lippenbekenntnis. «Tanz ist eine Weltsprache», meint Oleg Bessmertni und nimmt dafür seinen «Tanzolymp» als Beweis. Vor 15 Jahren hat er in Berlin diesen Ballettwettbewerb gegründet, den er selbst «Internationales Tanzfes­tival Berlin» nennt. Das Ein-Mann-Unternehmen sprengt schon immer alle Grenzen, und deshalb wundert es auch nicht...

Brügge: Jan Fabre «Belgian Rules/Belgium Rules»

Der Dicke wuchtet Bierträger herum und bedient sich reichlich selbst: hoch die Flasche, schluck, schwitz, rülps. So der Prolog zu vier vergnüglichen, atemberaubend schön bebilderten, bis zur Selbstaufgabe getanzten Stunden, wie ihn Shakespeare nicht rüpeliger hätte erdenken können. Belgien sei das Land des Comics, sagt einer der schlanken, schönen, zumeist ganz...

Magdeburg: Gonzalo Galguera «America Noir»

Ein Mann, eine Frau, ein Verbrechen, ziemlich zwielichtige Cops und ein Cabrio-Schlitten XXL: Gonzalo Galguera hat seine Uraufführung «America Noir» auf dem Thriller-Terrain angesiedelt, das Autoren wie Dashiell Hammett oder Raymond Chandler abgesteckt und Regisseure wie John Huston, Billy Wilder oder Louis Malle­ in Kinobilder gebannt haben. Statt «film noir»...