Kinderwelt
Kein Zweifel, das «Kind» ist in die Jahre gekommen. Eurudike De Beul kurvt zwar quietschvergnügt auf einem winzigen Fahrrad über die kleine Waldlichtung, die zum Schauplatz keineswegs nostalgischer Erinnerungen wird. Aber das äußere Erscheinungsbild samt Strickweste und rotem Kleidchen kann sich nie komplett mit ihrer Rolle decken, selbst wenn die gestandene Sängerin und Schauspielerin das kindliche Gehabe grandios verinnerlicht.
Es bleibt stets ein Rest, der die Identifikation so zwischen Wahn und Wirklichkeit verortet, dass die eigenartige Spannung fortbesteht – und man am Ende beunruhigt, wenn auch bestens unterhalten den Ort der Uraufführung, das Grand Théâtre de Luxembourg, verlässt.
Gerade das ambivalent Albtraumhafte hat noch keiner Performance des belgischen Tanz-Theaterteams Peeping Tom geschadet. Im Gegenteil. Nach «Vader» (tanz 7/14) und «Moeder» (tanz 11/16) gelingt Gabriela Carrizo und Franck Chartier auch der Abschluss der Familientrilogie bildhaft bewegt und so verstörend virtuos wie das Erfolgsstück «33 rue Vandenbranden». Täuschend echt ist der düstere Wald, hinter dem bisweilen riesig groß ein blutroter Mond aufzieht. Stöckelte da nicht zwischendurch ein Reh auf ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Hartmut Regitz
Ein Tanz-Tableau wie von Oskar Schlemmer. In «Patterns in ¾» verortet Edward Clug seine Tänzer so im Raum, als handelte es sich um eine erste Bühnenprobe des «Triadischen Balletts», das 1922 genau an dieser Stelle uraufgeführt worden ist. Noch kommt keins der berühmten Kostüme zum Einsatz, die gegenüber vom Theater, in der Staatsgalerie Stuttgart, aufbewahrt...
Medusa, einst die schönste der Gorgonen, schließlich verflucht von Athene, muss Schlangen als Haartracht tragen und jeden, den sie erblickt, unwillkürlich in Stein verwandeln. Der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui bereitet den mythologischen Stoff für ein zeitgenössisches Ballettpublikum auf und untelegt ihn mit (von Olga Wociechowska elektronisch erweiterten)...
Die Götter sind unter uns. Wie der Actionheld eines Blockbusters wirft Herkules die Gestalten der Unterwelt von ihren langen Stelzenarmen und -beinen, auf denen sie in der Bayerischen Staatsoper in spindeldürrer Schwärze einherschreiten. Erst danach führt Apoll im strahlend weißen Kaftan das Paar wieder zusammen, das er zuvor bis über die Grenze des menschlich...
